Begegnung am Pass

Auf der Passhöhe der Inselhauptstraße von Peljesac ist ein Parkplatz. Von der Terrasse des verfallenen Gebäudes, das vielleicht mal ein Ausflugslokal war und jetzt von Efeu und Feigenbäumen erobert wird, blickt man über Berge und Meer auf den acht Kilometer langen bosnischen Küstenabschnitt.

Um den zu umgehen, ist die Peljesac Brücke gebaut worden. Seit zwei Jahren kann man nun Kroatien durchqueren ohne durch Bosnien zu müssen.

Auf einem Mäuerchen steht ein vergessener Thermoskaffee-Becher. So einen haben wir auch dabei. Dieser ist mit einem Namen beschriftet, Babic irgendwas. Jetzt gehört er uns.
Als wir später die Gegend erkunden, stoppt ein Sportwagen neben unserem Womo, ein Mann steigt aus, sieht sich überall um. Vielleicht der Besitzer des Bechers? Ich laufe zurück. Das Auto hat ein deutsches Kennzeichen. Der Fahrer ist jung, lang und dünn und komplett schwarz gekleidet. Ich frage ihn, ob er Babic ist, ob er den Becher sucht. Nein, ist er nicht. In einer Mischung aus Deutsch und Englisch erzählt er von sich. Dabei schaut er immer Jo an.
Er ist zwanzig und war die letzten zwei Jahre Fernfahrer in Deutschland, überall sei er gewesen, Tag und Nacht unterwegs, immer alleine. A great experience. Aber jetzt sei er zurück. Heimweh. Was er hier vorhat, fragt Jo. Er will bei den Eltern einsteigen, eine Baufirma und ein  Restaurant. Er ist auf der Insel aufgewachsen. Hier oben kommt er oft hin, steht auf der kaputten Terrasse, träumt davon, das Gebäude wieder her zu richten, denkt über sein Leben nach. Es sei schwer in Kroatien, alles sei so teuer geworden. Man kauft für fünfzig Euro ein und hat fast nichts dafür. 700 Euro sei der Monatsverdienst im Durchschnitt. Als Fernfahrer habe er 2300 verdient. Davon hat er sich das Auto gekauft, grinst er. Zum Abschied schenke ich ihm den Kaffeebecher. Er winkt fröhlich und braust davon.

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