Budenheim

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Immer wieder mal kommen wir hier her. Man steht am Rhein, gegenüber Eltville, nebenan flussaufwärts eine Chemie Fabrik, die gehört Herrn Doktor Oetker, der ja nur noch als Gruppe erscheint, und produziert tatsächlich Backpulver, und viele andere Phosphatverbindungen. Die Fabrik ist gar nicht klein und viel größer als die bunten Backtreibmitteltütchen. Nachts brummt es hier leise vor sich hin.

Es gibt hier einen Schiffsanleger für Ausflugsfahrten, eine Personen Fähre gab’s mal. Mit einer Rampe könnte man sein Eigenboot wässern, oder sich selbst, denn da ist kaum Strömung.

Direkt nach den Parkplätzen beginnt eine feine Auenlandschaft, feuchtes grünes Dickicht, tote Gewässer, lebende Mücken, ein Damm zum entlangradeln, alte Apfelbäume. Im Naturschutzgebiet lebt der Milan, und wir haben hier vor Jahren erstmals eine Nachtigall gehört, unvergesslich.

Inzwischen gibt’s hier direkt am Ufer Weinbänke und Liegestühle, und einen Container, aus dem sommers entsprechende Getränke verkauft werden. Das Trinken und Treiben wird den Mercedeshändler nicht freuen, er wohnt direkt oberhalb des Platzes und hat sich vor Jahren schon beschwert, als ich nur ein paar Würstel grillte.

Heute morgen jedenfalls passiert hier was. Die Polizei fährt vor, mit großem Ta und Tü. Dann kommt der Notarzt, dann die Feuerwehr. Noch mehr Polizei, am Schluss sind sie zu neunt, samt Capo im weißen Hemd unter der Kugelfangweste, schick auch seine neue Frisur, einer Diva gleich wirft und streicht er sich ständig den Pony aus der Sicht.

Ein Schwimmer ist abgängig, nein: weg geschwommen, rheinabwärts sicherlich. Seine Sachen hat er liegen lassen. Eine Frau, nicht seine, macht sich Sorgen, er sei ins Wasser gegangen und nicht wieder gekommen, ne Stunde schon. Also ruft sie die Polizei an, und los geht’s, nichts tun geht da nicht, wenn man alarmiert wird. (Gut so!) Inzwischen ist die Feuerwehr mit dem Gummiboot losgebraust, auch am Ufer gegenüber trötet und blinkt ein NAW. Jetzt kommt der Hubschrauber, fliegt flach das Ufer ab.

Und dann kommt der Vermisste aus dem Wald. Ein Mann Mitte 70, braungebrannt, hellblaue Badehose, darüber ein Bäuchlein. Er staunt. Wird zur Rede gestellt, zuckt mit den Schultern. Er ist wohl, wie schon öfter, nah am Ufer  geschwommen, dann ein gutes Stück unterhalb an Land und durch den Auenwald zurück gelaufen.

Uff. Alle sind froh. Wir auch.

Mit dem Rhein geht’s bergab. Schon immer.

Aber nicht mit diesem Land.

Und das ist gut so.

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