Ein ganzes E-Bike Geschwader setzt an schönen Tagen morgens von Nordstrand nach Pellworm über. Wir mittendrin.



Die Fähre fährt mövenbegleitet gezeitenunabhängig durch eine Fahrrinne. Auf einer Sandbank liegen Robben.

Die Insel liegt komplett unter dem Meeresspiegel und ist durch einen hohen Deich geschützt. Überall Schafe.

Die vielen Fahrräder schwärmen aus und verteilen sich rasch. Beim Kaffee trinken trifft man sich wieder.
Wir umrunden die Insel mal auf der Meer- mal auf der Landseite. Auf der Meerseite sind rötliche Salzwiesen. Die Farbe stammt vom Queller, ein salziges, essbares Meereskraut, das sich im Spätsommer rot färbt.

Auf der Landseite werden pflügende Trecker von kreischenden Mövenschwärmen verfolgt. Die Vögel picken auf dem frisch umgebrochenen Erdstreifen die fetten Würmer, bevor diese in der Tiefe verschwinden können.
Überall Vögel. Stare fliegen in Wolkenformation, Wildgänse malen ein grosses V an den Himmel.



Sieben Windräder und einen Solarpark gibt’s auf Pellworm. Dadurch ist die Insel fast energieautark. Drei Prozent fehlen. Die kommen vom Festland, weil dem Investor die größeren Speicherbatterien, die es gebraucht hätte, zu kostspielig waren. Absurd ist auch, dass bei starkem Wind die fleißigen Windräder abgestellt werden müssen, weil der überproduzierte Strom nicht durch das zu dünne Kabel zum Festland transportiert werden kann.
Pellworm ist beschaulich. Man radelt, sitzt und beobachtet. Wie sich das Licht verändert, welche Form die Wolken haben. Ein Vogel in der Nähe wird zum optischen Anker in der Weite.

An einem See sitzen alte Männer und angeln. Was man hier fischen kann, frage ich einen. Aale, sagt er. Wie in der Blechtrommel? Nein, nicht mit Pferdeköpfen, lacht er, hier habe man früher Kuhköpfe genommen, die habe man ein paar Tage in die Sonne gelegt bis sich die Fliegenmaden gut entwickelt hatten. Erst dann in den Teich gehängt. Aber so viele Aale wie in der Blechtrommel seien da nie dran gewesen beim hochziehen. Was einen von Dortmund nach Pellworm zum Angeln verschlägt, frage ich, denn der Mann stammt hörbar aus meiner Heimatstadt. Da hört er gar nicht mehr auf zu reden. Seit 1975 sei er jeden Sommer auf der Insel gewesen. Immer einquartiert bei einer Bauersfamilie. Erst mit den Kindern, die hätten sich mit den Kindern der Gastgeber angefreundet, seien mit dem Bauern aufs Feld und in den Stall gegangen, später mit der Frau, jetzt alleine. Wenn er mal abtrete, solle seine Asche hier ins Meer. Ein guter Platz, finde ich. Und niemand müsse dann sein Grab pflegen. Genau, sagt er. Teurer als eine Grabstelle ist eine Seebestattung auch nicht. Er erzählt noch allerlei über den Friedhof in Dortmund Mitte und über Urnen, die sich selbst auflösen, wir reißen uns los -wir müssen dann jetzt mal weiter- von allein hätte er nicht aufgehört.


Bevor uns die Fähre am späten Nachmittag zurück nach Nordstrand bringt, sitzen wir auf einer Bank am Beginn des langen Wattanlegers, schauen aufs Meer, beobachten andere Radelnde. Der Deich ist in Abschnitte unterteilt, viele Durchlassgatter sind zu öffnen. Fast immer halten die Männer den Frauen das Gatter auf. Alte Schule.