soll die Wanderung von Theth nach Valbona sein, weiß der Reiseführer.

Wir können sie nicht ganz laufen, es sei denn, wir würden in Valbona übernachten und am nächsten Tag zurücklaufen. Dieser Aufwand ist uns zu hoch. Vom Valbona Tal aussenrum auf befahrbarer Straße zurück nach Theth an den Ausgangspunkt sind es 250 km. Es gibt einen organisierten Transport, aber auch den wollen wir nicht. Hochlaufen zum Pass und ins andere Tal runterschauen, das wollen wir, und dann denselben Weg zurücklaufen. Also los. Erstmal vom Campingplatz runter in den Ort. Jo fährt, ich nehme das Rad. Um 11:30 Uhr laufen wir los. Die Sonne sticht, aber wir wollen ja raufsteigen, da wird es schon abkühlen. Tut es nicht.


Zum Glück führt der Weg über weite Strecken durch schönen Buchenwald.

Da wo kein Schatten ist, glüht die Luft. Viele Wanderer, die uns überholen und entgegenkommen, haben sich Tücher auf die Köpfe gelegt. Auf halbem Weg werfen wir uns auf einer Wiese in den Schatten einer kleinen Kiefer und liegen eine halbe Stunde rum. Das tut gut.

1000 Höhenmeter geht es bergauf. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich es schaffe. Kurz vor dem Pass sagt Jo: „ich kotze gleich“. Und dann sind wir oben.

Lassen uns in den zertretenen Staub des Passsattels fallen wie zwei junge englische Frauen auch. Neben ihnen liegt ein Hund wie tot auf der Seite, der gehört nicht zu den Engländerinnen, der treibt sich da herum und spaziert mal mit Diesem mal mit Jener ein Stück mit. Ob er je wieder spazieren wird, erscheint mir fraglich. Er sieht aus wie ich mich fühle.
Die 50 Höhenmeter zum Aussichtsgipfel sparen wir uns. Es reicht. Wir sind spät dran, es ist schon 5 Uhr. Also machen wir uns zügig an den Rückweg. Der Hund ist wieder auferstanden, überholt uns, läuft eine Weile voraus und verschwindet dann irgendwohin. Wir trinken auf einer Alm eine Cola.

Genau in solchen Momenten ist dies braune Zuckerwasser Gold wert. Mit frischer Kraft laufen wir weiter. An einer Steilstelle baut gerade ein junger Mann ein Fotostativ auf. Er hat ein voll bepacktes TourenFahrrad dabei. Das trägt er über den Pass ins Valbonatal. Es gibt nichts, was Menschen nicht machen.
Die letzte Stunde der Wanderung lauf-rutschen wir über die grobschotterige steile Jeeppiste zu Tal. Wir fahren noch weiter ins Tal hinein, bis zum Ende der Teerstraße. Da weitet es sich und man kann im Schotterbett des Flusses stehen. Duschen vor dem Womo, die kleine Bordküche: Fleischbällchen in Tomatensoße aus der Dose, dazu Reis, und ab ins Bett.
War das jetzt eine der schönsten Wanderungen? Schön war zu merken dass es geht. Das war das Beste. Mein persönlicher Superlativ: 1000 Höhenmeter rauf und runter geschafft.

Am Abend zahle ich den Preis. Mein rechter Fuß, mit dem ich beim Abstieg kurz umgeknickt bin, tut brennend weh. Ich kann nicht auftreten. Voltaren Salbe und Tablette und ein Wickel drum. Vor Erschöpfung zitternd schlafe ich ein wie ein Stein. Wache immer wieder auf, weil der Fuß so weh tut. Das war’s mit dem Wandern, denke ich. Ermüdungsbruch oder so. Aber am nächsten Morgen ist der Schmerz fast weg.