Gusinje und Nationalpark Prokletije

Nun sind wir im südöstlichen Zipfel Montenegros, kurz vor der albanischen Grenze. Hier stehen Moscheen, die Mehrheit der Bevölkerung ist muslimisch. Wir wollen in das Grebaje Tal, das für Autos eine Sackgasse ist, weil der Talschluss durch eine 2500 Meter hohe Bergkette gebildet wird.
Aber erst stoppen wir in Gusinje, ein kleiner Ort, der gerade komplett renoviert wird. Man kann nicht hindurch fahren. Die Hauptstrasse wird neu gepflastert, das Rathaus wirkt überdimensioniert.

Am Ortseingang, wo wir parken, steht ein abgetakelter deutscher Autoscooter, dauerhaft, wie zwei Männer, die die Autos herrichten, stolz erzählen.

Der Ort scheint das Corleone Montenegros zu sein, denn mehr seiner Einwohner leben in Amerika als hier. Warum? fragt Jo seinen Barbier, der ihn für 3€ perfekt nassrasiert und besser Englisch spricht als wir.

Looking for better life, ist die Antwort. Im August kommen alle Exilbewohner für kurze Zeit nach Hause, dann sind 40.000 Leute da und ein riesen Hallo, erzählt er uns. Sie scheinen auch Geld bei ihren Verwandten zu lassen, man sieht viele fette Autos.
Die Straße ins Grebaje Tal ist schmal aber geteert. Bald taucht das Bergpanorama auf, wir fahren direkt darauf zu.

Am Ende ist eine Kuhweide, da darf man Parken. Das letzte Wegstück hat keinen Teer, es ist eine rumpelige Piste mit grossen, vollgelaufenen Schlaglochpfützen. Ob wir da durch kommen? Ich messe die Tiefe mit dem Schuhlöffel, zwanzig Zentimeter sind es sicher.

Jo pflügt unerschrocken hindurch und lässt das Schlammwasser spritzen.
Wir kommen leicht abschüssig zum stehen. Es riecht nach Kuhdung, ich latsche in einen frischen Haufen. Aufgeregte Fliegen stürzen sich auf unseren Wagen, sie werden ganz wuschig von der Hitze des Motors.
Welch ein Panorama! Es kann beim Cirque de Gavernier mithalten.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. marlenedieberghutze

    Wow! An Gavarnie musste ich auch direkt denken, super schön!

  2. charlottgreen

    Mehr als bei bisherigen Reisen muss ich bei euren jetzigen Berichten und Fotos an Recherchen für ein Film denken, für ein Road Movie vielleicht, für den Ihr Location Scouting ( habs nachgeschlagen) betreibt und Landschaften, Menschen und Geschichten einsammelt.

    1. Edehigh

      sehr treffende Bezeichnungen: ‚Road Movie‘ und ‚Location Scouting‘ ….. !! lol ☺️

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