Crno Jezero heißt schwarzer See. Dunkle, hohe Fichten umstehen das Gletscherauge. Jetzt, Anfang Juni, haben sie hellgrüne Spitzen. Die sind essbar, schmecken harzig, säuerlich, ein Gaumenkitzel. Bier kann man auch damit würzen, das ist dann das Wipfelzipfelbier, das der Dr. Thomas im steirischen Hofladen verkauft. Im hohen wogenden Gras tummelt sich ein Hund. Er spielt mit sich selbst, trägt einen Stock, schleudert den mit einer energischen Nackenbewegung weg und jagt ihm nach. Dann schließt er sich uns an, ganz selbstverständlich, als gehörte er zu uns. Läuft neben, hinter uns vor uns, und durch Jos Beine hindurch. An einer unübersichtlichen Stelle überholt er uns und läuft voraus. Er scheint sich auszukennen, wir folgen ihm, es ist der richtige Weg. Wir sind schockverliebt in dies braun-schwarze quirlige Tier. Überlegen schon, wie man ihn heim schmuggeln könnte und ob dann jemand hier ihn vermissen würde, was wahrscheinlich ist, da setzt er auf einen Jogger zu, der ihn offenbar kennt. Der Jogger bleibt stehen, hebt den Zeigefinger, der Hund setzt sich. Der Jogger herzt den Hund, dann läuft er weiter. Jetzt muss er sich entscheiden, der Hund. Er schaut dem Jogger nach, er schaut zu uns, wir sitzen gerade auf einer Bank und schauen, was eine sehr schöne Beschäftigung ist, sitzen und schauen, er entscheidet sich für den Jogger und rennt ihm ohne Abschiedsgruß nach. Treulos. Aber ich kann ihn verstehen, der Jogger entspricht eher seinem Fitness Niveau.


Am nächsten Tag, während unsere Wander- und Radeltour, oberhalb der Tara Schlucht, in die wir lange hineinschauen, umschwirrt von böse brummenden grün glänzenden Rosenkäfern,


haben wir wieder eine Hundebegegnung. Ich traue mich erst nicht vorbei an dem grossen Tier, vielleicht ist es einer der berüchtigten Herdenschutzhunde? Aber er sitzt still und freundlich, und als ich langsam an ihm vorbeifahre, läuft er neben mir her. Zusammen holen wir Jo ein, der weiter oben wartet. Etliche Kilometer läuft er mit. Ein Husky mit dickem, gepflegten Fell, hellblauen Augen und einer bis auf die Straße hängenden Zunge. Als wir anhalten, um etwas zu trinken, gießt Jo dem hechelnden Hund Wasser in seinen Faltbecher, und er gießt mehrfach nach, gierig schabbert der Hund es weg. Dann wirft er sich in den Schatten und liegt da wie bewusstlos. Als wir an dieser Stelle umkehren und den Berg wieder runter fahren, jagt er uns nach, kürzt in der Kehre ab, saust den Hang hinunter, holt uns kurz wieder ein, bleibt dann doch zurück, bergab sind wir zu schnell für ihn. Später am Abend, als wir im Womo essen, bellt draussen ein Hund. Hat er uns doch wieder gefunden? Aber nein. Wie gut. Und wie schade.

