
Im Garten des alten Holzhauses mitten in der Altstadt sitzen wir in kühlem Baumschatten vor einem plätschernden Brunnen.
Lächelnde Frauen bereiten köstliche Mini Küchlein zu. Wir haben Thai Massage gebucht, fünf Mal eine Stunde .

Wir bekommen Schlappen und Beutel für die Schuhe.
Ich weiß, dass die Masseurinnen Strafgefangene sind.
Die gepflegten und zuvorkommenden Frauen, die ich dabei beobachte, wie sie die Tische abräumen, Tee servieren, die Gäste rein und raus begleiten, sehen nicht aus wie Schwerverbrecherinnen. Später werde ich im Stockwerk über dem Praxisraum eine Ausstellung ansehen und erfahren, dass es meistens Drogendelikte sind, die die Frauen in den Knast gebracht haben.

Durch Netzrecherche finde ich heraus, dass sie überwiegend aus der Region der Bergvölker im Norden stammen. Dort gibt es starke kulturelle und familiäre Verpflichtungen. Frauen müssen für Schulden der Männer aufkommen. Oft sind sie die alleinigen Familienversorger. Wenn sie durch reguläre Arbeit ihre Familien nicht satt bekämen, seien sie leicht für Drogenschmuggel zu gewinnen. Und der wird in Thailand hart bestraft.
Wir sind dran. Eine Beamtin in brauner Uniform führt uns in den dämmerigen Innenraum und übergibt uns zahlreichen gut eingespielten Damen, die uns immer lächelnd, aber sehr bestimmt von Station zu Station schleusen. Die Schließfächer für die Taschen und Schuhe, die Ausgabe von Körbchen für die Kleidung, die Umkleide. Nackig machen und rosa Schlafanzüge anziehen. Körbchen abgeben, in einen Sessel setzen, Füße ins Becken stecken. Eine junge Frau kniet vor mir, lächelt mich an und wäscht meine Füsse mit Salz und Limetten. Dann werde ich zu einer Liege geleitet und zugedeckt.
Kurz checke ich wo die anderen sind, alle da. Geschätzt werden zwanzig Leute gleichzeitig behandelt.
Ich entspanne mich.
Orange gekleidete Frauen treten an die Liegenden heran, stellen sich kurz vor, fragen: „soft, medium or hard?“ Ich wähle „hard“, will schließlich was spüren.
Eine Thai Massage läuft immer gleich ab. Sie beginnt an den Füßen und endet am Kopf und ist eine Mischung aus passivem Yoga und Akupressur. Das lese ich später nach. Aktuell habe ich keinen Schimmer davon, was mich erwartet.
Die zierliche Frau biegt meine Füsse um. Drückt mir ihre Daumen tief in und zwischen meine Wadenmuskeln, ich schreie kurz auf, sie schaut besorgt, „are you OK?“ „Yes, but better medium please, Go on.“
So drückt und dehnt sie sich empor, wälzt mich hin und her, zieht mir die Beine lang, setzt auch ihre kleinen Füsse ein. Als ich mich an die Kante setzen soll schaue ich mich kurz um. An allen zwanzig Liegen sitzt die Kundschaft am Fuße der Liege, aus der die Masseurin kniet. Ein gut choreografiertes Massage Ballett.
Man hätte zwei Stunden buchen können, das war mir zu lang erschienen, nun bereue ich das, denn nach ein paar weiteren Verbiegungen ist es schon vorbei.

Die Bangkok Post berichtete in einem Artikel über das „Korrekturprogramm“ des Frauengefängnisses: Massagesalons in Chiang Mai wissen, dass die Frauen eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten, und sie werben aktiv um Absolventinnen. Sie haben sogar offizielle Vereinbarungen mit dem Zentrum, um beiden Parteien zu versichern, dass sie Absolventinnen aus dem Gefängnis einstellen, die auf gutem Niveau sind.
Ich hoffe, das der Plan aufgeht und wünsche unseren freundlichen Masseurinnen ein gutes zukünftiges Leben .
Ich „reise“ eure Reise gerade rückwärts nach, was durch die Berichte u. Fotos ganz leicht ist und – sicher um einiges kühler! 😀