6.10.23 zwei Nächte waren wir auf dem sehr aufgeräumten, sehr sauberen, sehr sterilen Camping Platz Erodia in der Navarino Bucht, ein historischer Ort. Hier fand im Oktober 1827 eine Seeschlacht statt, die das entscheidende Ereignis war, mit dem Griechenland nach einem jahrelangen Aufstand seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangte. Heute liegt die Bucht sehr glatt und friedlich da.
Es scheint Campingplatz Dynamiken zu geben. Auf manchen geht es familiär zu, man grüsst und plaudert. Auf anderen schaut man sich nicht an, grüsst nicht, blendet die anderen völlig aus. Und weil das ansteckt, haben auch wir uns nicht bemüht, mit den Nachbarn zu reden.
Mir fällt „Im Nebel“ ein, das Gedicht von Hesse. Das endet so:
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
O, wie novembrig wird mir zumut!
Vom Platz aus haben wir eine zerfallene Festung erwandert, sind von dort steil mit Hilfe von Tritteisen zur Höhle des Nestor herabgeklettert, begleitet von einem vorbeiziehenden Gewitter. Das Donnern dröhnt in der grossen Höhle, die eine gute Akkustik hat. Dann geht es abwärts zum Meer, tief sinken wir ein in den feinen weißen Dünensand, der sich vom Meer bis rauf zur Höhle auftürmt. Drei Kinder stapfen unermüdlich den Sand hinauf, um dann hinunterzurennen und sich ins türkis schimmernde Wasser zu werfen. Da stürzen wir uns auch hinein. Es ist herrlich, den verschwitzten Leib vom lauen Wasser umspülen zu lassen bis er fröstelt. Ein paar Regentropfen fallen und springen in Augenhöhe. Beim Abtrocknen bleibt feiner Sand auf der Haut kleben. Die berühmte Ochsenbauchbucht sollte Omega Bucht heißen, denn genauso sieht sie aus. Fast kreisrund, mit einer schmalen Öffnung zum offenen Meer.


Feinsandig, glasklar, flach abfallend. Deutsche Herbstferien Familien tummeln sich da. Zum Glück ist die Bucht samt dahinter liegender Lagune Naturschutzgebiet.


Sonst drohte ihr das Schicksal der benachbarten Navarinobucht, in der sich ein Oligarch einen grossen Teil gekauft und mit Luxushotels und Golfplatz bebaut hat. Da kommt unsereins nicht rein, ein Sicherheitsdienst bewacht die Reichen. Die Diskoklänge dringen bis zu unserem ordentlichen Campingplatz, wo wir im Sonnenuntergang Aperol trinken und den Silhouetten einer indischen Familie bei ihren ersten Versuchen mit dem Paddelbrett zusehen. Der kleine Sohn Rafi wedelt begeistert mit den Armen, der grosse Bruder auf dem Brett ruft “ its so easy!“