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Städtetour

Fregrenal de la Sierra, Jerez de Cavallero, Zafra, Almendralejo, Merida. Mehrere Orte hintereinander an zwei Tagen. Alle haben weiße Häuser, alle sind in der Nachmittagszeit ausgestorben.

In Spanien wird konsequent Siesta gehalten, zwischen 14 und 17 Uhr wähnt man die Orte verlassen. Alle Fensterläden sind heruntergelassen, alle Geschäfte geschlossen. Selbst die Kirchen sind versperrt. Abends sind  Straßen und Bars voll mit Leuten, man trifft sich auf den Plätzen, aus Weinkelchen wird Bier getrunken in diesem Weinland.  Zu jedem Bier gibt’s Chips.

Die besichtigten Orte haben historische Altstadt Bereiche, alle einen Plaza Espagna, oft Kirchen, die umgebaute Moscheen sind. Auf den Glockentürmen, die blechern die Stunde schlagen, füttern Störche ihre Jungen.

Zafra: andalusischer Barock auf Ex-Moschee

Durch enge Kopfsteinplastergassen zwängen sich dicke Autos mit und ohne Beulen hindurch, Fußgänger retten sich in Hauseingänge mit Holztüren und bunt gekachelten Wänden.

Fast jeder Ort hat einen einfachen Wohnmobilstellplatz, Spanier sind begeisterte WoMo Fahrer.

In der Rückschau schwimmen die Städte ineinander. Wie sah noch mal der Stellplatz in Sierra de Fregrenal aus? Ach ja, da war doch der Supermarkt, der Cash fresh gegenüber, der von außen so prollig aussah und sich dann als bestens sortiert erwies. Wo war das Weinmuseum? Ach ja, in Almendralejo. Wir waren aber nicht drin, es hatte zu, weil Mittag war. Wir standen am Bahnhof, der Ort war unscheinbar, die Bedienung in der Kneipe hat Jo, der mit seinem einzigen von ihm beherrschen spanischen Satz: „dos Cervesas por favor“ bestellt hat, einen deutschen Akzent attestiert.
In Erinnerung geblieben ist mir
Jerez de Caballeros, weil wir da auf einem abschüssigen Platz übernachtet haben, hinter dem ein einsames Pony in einem zu engen Pferch eingesperrt war, das mir leid tat, und weil vor der Kirche ein lebensechter Bronzemann auf einer Bank saß. 


Zafra mit einem besonders schönen Platz, auf dem wir ein Bier getrunken haben

Zafra, Placa Espagna

Rosenumarmung

und im Klarissenkloster wunderbare von Nonnen gebackene Kekse gekauft haben. Angelockt vom Duft nach Butter und Anis hatten wir den kleinen Verkaufsraum entdeckt, der nur aus Vitrinen und einem Schiebefenster bestand. Über der Klingel hing ein Schild: Paz y bien (Frieden und gut).  Nach einer Weile wurde der Fensterflügel zur Seite geschoben und eine lächelnde schwarze Nonne mit dicker Brille erschien. Weil wir uns angesichts der Köstlichkeiten nicht entscheiden konnten, nahmen wir von allen Plätzchensorten eine Packung.
Im Klostermuseum lief die Schubertmesse: Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr..

Die Nonnen machen kleine Faltkunstwerke aus alten Büchern, eine nette Idee.

Die heilige Clara war Zeitgenossin und Freundin des Franz von Assisi, die Klarissinnen sind das weibliche Pendant der Franziskaner. Armut, Demut, Gehorsam, Rückgezogenheit. Wusste ich nicht. Reisen bildet.

Am Abend kamen wir in Merida an, UNESCO Weltkultur Erbe. Ein Ort, der vom römischen Kaiser Augustus für die Veteranen des Heeres erbaut worden ist und damals Augusta Emerita hieß.


Am nächsten Morgen spazierte ich über das Gelände und dehnte meine schlafstarren Glieder.

Am Morgen

Wofür diese riesige Parkfläche wohl genutzt wird? Die wenigen Wohnmobile, die dort übernachten, wirken wie zufällig abgestellt.
Die gigantische Schotterfläche liegt zwischen dem Fluss und der Eisenbahn am Rande der Stadt.
Eine funktionslose Mauer ist mit Graffiti bemalt. Ein Rad-Wanderweg führt mitten durch die Fläche,  Radfahrende mit Gepäck sausen  vorbei und ein Wanderer mit Rucksack und Wanderstöcken toktokt dahin.
Rundgetrimmte Ziersträucher, Straucheibisch und Zylinderputzer, säumen den Weg, Bienen saugen Nektar aus den leuchtend roten Federbüscheln.

Auf dem Weg in die Stadt lief ein Römer an uns vorbei. Weißes Tuchgewand, Riemensandalen, goldener Lorbeerkranz im Haar. Wir sahen ihm verdattert nach. Gibt’s hier einen Riß in der Zeit? Weitere Römer und Römerinnen folgten. Irgendwas musste los sein in diesem Ort. Ein Passant, den Jo in feinstem Latein gegrüsst hatte: „Morituri te salutant“ winkte huldvoll und erklärte uns auf Englisch, daß hier heute ein Römerfest zum Gedenken der Stadtgeschichte stattfände. So viele verkleidete Leute liefen herum, dass wir uns schlecht angezogen fühlten.

Wir besichtigten das Viadukt, das Amphitheater samt Bühnenhaus, den Diana Tempel und die Römerbrücke.

Viadukt damals (Schautafel) und heute
Durchgang zum Theater Park
Diana Tempel
auch Diana Tempel

Die Alcazaba (Festung) ist tausend Jahre jünger, maurisch und aus demontierten Römertrümmern zusammen gebaut.

runter zum Wassersammler
steingefiltertes Flußwasser

Zum Schluss spazierten wir nach einem Blick von der  Römerbrücke (die längste in Spanien) am Fluss entlang zurück zum Womo.

Platanenschatten

Es war heiß, wir hatten genug Stadt gesehen und verließen sie in nördlicher Richtung. An diesem Abend standen wir vor dem Naturpark Monfrague auf einer Schafwiese. Hundegekläff, Froschgequak, Schafgebimmel, Windgepuste und wir.

Am Abend

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ecuardo

    Ganz wunderbar, erneut auf so einen beeindruckenden Abschnitt mitgenommen zu werden! Ihr habt so schöne Details entdeckt, recherchiert u. beschrieben – plus die tollen Fotos! Michas gracias!! 🙂👍

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