Strichweise Starkregen, Schlamm und Redeschwall


4.10.23 Beim Stadtbummel durch den überschätzten Ort Koroni beobachteten wir sich auftürmende schwarze Wolken. Die Wetterapp hat keinen Regen gemeldet. 20 km hinter Koroni war die Straße runter zum abgelegenen Campingplatz Tsapi nass. Hier hat es wohl geregnet. Weiter unten floss braunes Wasser über die kleine Straße. Hier hat es wohl etwas mehr geregnet. Ganz unten, oberhalb der schönen Bucht waren die Camper, allesamt Deutsche, Österreicher, Schweizer, sehr damit beschäftigt, Matratzen in die Sonne zu stellen und Zeltteppiche und Gummischuhe abzuwaschen. Drei Stunden habe es gegossen, erzählte ein junges Paar, neben dessen Bus wir uns stellen wollten. Ein ganzes Ameisenvolk habe sich unter das Dach des Waschhauses gerettet, das Wasser sei knöchelhoch gestanden. Davon war nichts mehr zu sehen, nur nass war der Boden noch. Die Räder gruben sich in den Matsch, als Jo einparkte. Ausgraben der Räder, Drunterklemmen der Auffahrhilfen, Daumen drücken und Luft anhalten meinerseits. Nur mit grosser Mühe bekam Jo den schweren Wagen wieder raus. Der einzig mögliche Platz war ganz oben am Hang. Jo preschte hoch, im Zickzack pflügte er durch die Olivenbäume, bloß nicht anhalten, sonst stecken wir wieder fest. Oben stand der Wagen sehr schief, beim Versuch, auf die Keile zu fahren, schmierte der Triebkopf talwärts ab. Das war’s für heute. Ich hatte sehr schlechte Laune. Abschüssig stehen gehört für mich zu den grossen Widrigkeiten des Lebens im Wohnmobil.
Mit Messern, die ich unter das Kochgitter klemmte, bekam ich den Kochtopf halbwegs gerade, das Ratatoille gelang. Jo briet draußen Lammkoteletts dazu. Mit Kissen unter Füssen und Po baute ich mir eine ebene Liegefläche. Am nächsten Morgen war der Boden noch genauso weich, das Meer noch schlammbraun, wir wollten da weg, aber erstmal musste der Wagen gewendet werden. Fehlermeldung im Display: Rückwärts fahren nicht möglich. Kein Gangwechsel. Werkstatt aufsuchen. Mercedes hat Humor. Der Nachbar fragte, was los ist, Jo berichtete. „Ja, das kenne ich“, sagte der Nachbar, ein Elektrotechniker und Ingenieur im Ruhestand, und erzählte von seinen Abenteuern. „Das hilft Ihnen jetzt nichts, dass ich das erzähle, aber ich kenne das“. Danke fürs Gespräch. Gleich werde ich wissen, dass seine Frau Brustkrebs hat und er es mit den Nieren, sagte Jo als er die Karre erneuert startete. Die Fehlermeldung war weg, das Wendemanöver gelang zum Glück. Mitten im Redeschwall des Elektroingenieurs brausten wir davon, er winkte uns bedauernd nach. Er hätte uns noch so viel zu sagen gehabt.

Wo wohl die nächste Mercedes Werkstatt ist, dachte ich laut. Unsere Mercedes Bordassistentin wachte auf, als sie ihren Namen hörte: „was möchten Sie tun?“ „In die Werkstatt fahren“, forderte ich sie heraus. „Der nächste Service ist in 526 Tagen fällig“, sagte sie. Irgendwie reden wir aneinander vorbei.

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