Du betrachtest gerade Val d’Orcia

Val d’Orcia

Seltsame Wohnmobile…phh
… nich mal n Dach überm Kopf…und kein Fahrradträger!

Heute mal eine Radtour, durchs Weltkulturerbe, drunter strampeln wir nicht. Vom Stellplatz unterhalb von Montepulciano geht es erst gemeinsam mit vielen Autos bergab, doch bald auf ruhiger Straße bergauf und ab und auf und ab. Toskanisches Hügelland, das kostet Körner, so sagt man heute. Ein paar davon frisst der E-Bike Akku, und die restlichen fehlen uns dann vielleicht. 

Zwei Themen hat die Tour heute: Zypressen und Schotter. Die Bäume stehen am Rande der Straßen und Wege, machen eine gute Figur, schlank und hoch, und sie duften ganz fein, verbreiten ihr Versprechen vom sonnigen Süden. 

Der Schotter liegt auf den Wegen, zwischen den Bäumen also, und macht das Radeln beschwerlich und gefährlich, weil rutschig. Der Sturz vom Rad am Bolsena See wirkt nach, als Verunsicherung. 

Wir bremsen viel und schieben manchmal. Und einmal, beim Fahren, gibt’s einen fetzigen Streit mit einer Autofahrerin, die sich tatsächlich beschwert, weil ihr nicht Platz gemacht wird, bei üblem Gegenverkehr. Meine Verfluchungen, in bestem Italienisch vorgetragen, werden die blöde Kuh im Schlaf noch verfolgen, ha! 

Tatsächlich sind mehrere fotogene Alleen, manche wohl geradezu ikonische Toskanabilder, beim Befahren mit dem Rad eine sehr profane Quälerei. 

Eine Pause bei der alten Villa Foce, berühmt für ihnen Park und ihre frühere Bewohnerin.

Iris Origo war in der Zeit der Besatzung hilfreich für die Menschen in der Gegend, bot Schutz, nahm Einfluss. Leider findet jetzt keine Führung durch Palazzo und Park statt. So radeln wir weiter, die berühmteste Zypressenserpentine hinauf und hinten wieder runter.

hier rauf
hier runter

Dann geht’s der Orcia entlang, der kleine Fluss gab dem sehr weiten Tal seinen Namen.

Dahinter erhebt sich der schöne symmetrische Monte Amiata,

Monte Amiata 
(der Berg, nicht die Nase)

den wir demnächst für uns erobern wollen. Zunächst aber geht’s hinauf nach Pienza.

Die Stadt wurde auf Wunsch eines Papstes, er war dort geboren, als komplette Planstadt in wenigen Jahren erbaut, um 1460, nach „Prinzipien des Humanismus“. Heute ist die Stadt vor allem den Prinzipien des Tourismus unterworfen, es ist voll mit unsereinem. Und heute ist Tag der Stadtgründung, TrommlerInnen ziehen durch die Hauptstraße.

Fahnen werden geworfen am zentralen Platz.

Berühmt ist diese Stadt für ihnen Pecorino, es sei der Beste überhaupt. Und also riecht man ihn auch in den Gassen, den Käse, ganz unvermittelt steigt der „Duft“ in die Nase. 

Nach einem Americano, in der Bar gebrüht vom schwarzen Barrista, rollen wir weiter, nochmal mit reichlich Schotter, nach Monticchiello, der Nachbarort ist ruhiger, ja bescheiden, unspektakulär.

Aber aus dem alten Gemäuer wachsen große Kapern. Der einzige Geocache hier ist nicht zu finden, wir suchen gemeinsam mit einem anderen deutschen Paar, witzige Cacherbegegnung. –

Es gibt ein Theatro di Poveri, im dazugehörigen ganz schönen Cafe ein Bier, mit Genuss.

Danach zurück ins warm im Abendlicht leuchtende Montepulciano.

Der Staub des Tages verschwindet in der Womodusche. Es bleibt das schöne Gefühl, sich in besonderer Landschaft gut bewegt zu haben.

Schreibe einen Kommentar