Wahl, Schakal und Überlebenskünstler

8.10.23 in der Bergeinsamkeit an den Resten der Stadtmauer des antiken Messene

Das Arkadische Tor
Wachturm, 2000 Jahre alt

hören wir das Ergebnis der Landtagswahlen. Offenbar teilen die Schakale unsere Sichtweise: sie heulen, jammern, kreischen. Sehr viele, sehr laut.


Heute sind wir über kleinste Sträßchen durch Olivenhaine gekurvt. Die Bäume hängen voll und werden erst nach der gerade beginnenden Ernte beschnitten. Sie streicheln mehr oder weniger sanft unseren Dschango. Ziel war das antike Messene. Ein sehr berühmtes und bestimmt sehr lehrreiches Ausgrabungsgelände.

Wir besichtigen die alten Steine so wie wir immer die alten Steine besichtigen. Ausgrabungsstätte? Rein, durchschlendern, manchmal Staunen, oft Schultern zucken. Ein Theater, eine Sportarena, Tempelsäulen. Dazwischen frißt eine Katze eine soeben gefangene Maus, irische Jugendliche posen vor ihren Handys und turnen auf den Steinen herum „this must be the fucking arena“. Mich interessiert am meisten, was da so wächst: Quitten, Sanddorn, Fenchel. Wäre Frühling, würde ich das Fenchelgrün in Doraden stecken. Jetzt ist Herbst, kein Grün mehr dran, aber Samenkörner. Daraus brühe ich Tee auf zur Wahlberichterstattung. Fencheltee tröstet, immer.


Ein anderes Wohnmobil parkt in der Nähe, der sehr dünne Fahrer stakst starren Blickes an uns vorbei, eine grosse Kamera in der Hand. Ich spreche ihn an, er zuckt zusammen. Sonst stehe ich hier immer, sagt er. Sie hätten eine Flagge in den Boden rammen sollen, sage ich. Er lacht und erzählt, dass er bestimmt schon 30 Nächte hier verbracht hat. Seit Jahren kommt er im Herbst her und besucht die Veilchen, die in der alten Mauer wachsen. Seit 2000 Jahren wüchsen die dort, wie die das schaffen, wo es doch kaum Erde gibt, das begeistere ihn. Er erzählt von anderen Pflanzen, die er entdeckt hat, nennt die lateinischen Namen. Ob er Biologe ist, frage ich ihn. „Nein, ich bin Pensionär, da darf man sich für alles, was schön ist, interessieren“.
Die Veilchen besuche ich auch noch. Und teile die Pensionärsbegeisterung.

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