Letzte Stunden am Strand.

Die Zimmer geräumt, das Gepäck steht an der Rezeption.
Noch mal in der Hängematte liegen und in die Palmwedel blicken. Noch mal im Meer schwimmen. Bewacht von hungrigen Strandhunden Grillspießchen und Fettkringel knabbern, eine Kokosnuss ausschlürfen, mit Papajasaft und Caipirinha anstoßen. Wehmütig sein.




Aus einem Holzboot heraus wird der Fang des Tages direkt verkauft, ein ganzer Schwarm glänzender Fische füllt das Boot fast bis zum Rand.

Um 15:00 brechen wir auf, Sand unter den Zehennägeln, Salz auf der Haut.
Knapp zwei Stunden dauert die Fahrt längs über die Insel. Vorbei an dunklen Menschen, die am Strassenrand grillen, Bohnen auspulen, Ball spielen, in Handys schauen. Vorbei an bewohnten Rohbauten aus Betonziegeln und Armierstangen neben bunten, quadratischen Villas mit Panoramafenstern. Vollgepackte Collectivos kommen uns entgegen, blank geputzte, dicke Autos überholen uns mit wummernden Bässen. Prajas Ringautobahn wird auch von einer Kuhherde genutzt.

In Praja liefert Jo den Mietwagen ab, der Rest der Truppe belagert zwei Bänke eines winzigen baumbestandenen Platzes in der Fußgängerzone.

Tilman bewacht das Gepäck, Marlene und ich lassen in der Markthalle unsere Tupperdosen mit Reis, Gemüse und Hähnchen füllen. Vor dem Markt turnen fröhliche Frauen in Formation.

Wir futtern das köstliche Essen mit Marlenes hölzernem Reiselöffel und erfahren von einem fliegenden Händler dass man im Senegal Tee trinkt. Kein Kaffee, kein Schnaps.
Wir spielen Doppelkopf in der Kneipe des Platzes.

Zwei Taxifahrer umwerben uns. Unabhängig voneinander sagen wir beiden zu. Jo versucht, ungesehen von „seinem“ Fahrer in das (grössere) Auto „unseres“ Fahrers einzusteigen und erträgt den Spott der Mitreisenden: da werden seine Kinder heute hungrig ins Bett müssen..
Am übersichtlichen Flughafen checken wir ein.


Zwei Stunden rumlungern bis zum Abflug. Knapp fünf Stunden angestrengtes Dösen in aufrechter Sitzposition bis zur Landung.


In Lissabon ist es neblig. Man sieht den eigenen Atem.
Der Flieger nach Düsseldorf kann nicht starten. Als alle in der Maschine sitzen, teilt der Kapitän mit, dass man voraussichtlich in zwei Stunden abheben wird. Warten im Wind der Klimaanlage. Kriegen wir den Anschlussflug nach München? Wieso überhaupt über Düsseldorf? Weil ab dem zweiten Umsteigen das Gepäck nicht extra kostet. Das machte 400€ aus. Absurd.
In Düsseldorf steigen die Passagiere quälend langsam aus. Wir rennen zum Boarding. Wir sind die letzten, die einsteigen. Das war knapp. Froh landen wir wenig später in München. Die Koffer haben es nicht geschafft, sie werden uns nach Hause geliefert, alles unaufgeregt und bestens organisiert. Am Flughafen gibt’s Kaffee und Brezen. So gestärkt und ganz ohne Gepäck steigen wir in unseren Leihwagen, den Jo wegen des Bahnstreiks online gebucht hatte. Ein nagelneuer Mercedes Van, sehr fein. Jo steuert uns durch die kalte deutsche Nacht. Vor meinen geschlossenen Augen ziehen Bilder vorbei. Ich sehe gleissendes Licht, freundliche, entspannte Menschen, bizarre Berge. Ich höre Hahnenschreie, allgegenwärtige Musik und unser gemeinsames Lachen. Ich spüre unsere Nähe und unsere Liebe. Ich weine vor Glück und Dankbarkeit.
Marlene und ich halten uns an den Händen. Tilman spielt dasselbe Stück, das wir vor drei Wochen auf unserer nächtlichen Fahrt zum Münchner Flughafen hörten, drei Haselnüsse für Aschenbrödel als Techno Remix. So schließt sich der Kreis.
Die Familienexpedition „Weihnachten Mal anders und creating memories“ ist zu Ende.

❤️