Beim Aufwachen fällt der noch diffuse Blick durch das Sprossenfenster in die Akazienkrone.
Langsam dringt Bewegung ins Bewusstsein.
Das Auge fokussiert zappelnde hüpfende Punkte.
Kleine rundliche braun gelbe Vögel picken fedrige Samenstände von zierlichen Zweigen.
Ihr Zwitschern klingt wie ihr Name: Girlitz.


Um halb zehn erreicht die Sonne die Baumkrone. Um halb elf ist die Frühstücksecke besonnt. Ab und zu schaffen es ein paar Wolken bis hierher und bescheren ein paar Minuten Sprühregen. Kaffee in der Sonne im Freien, Mitte Dezember.


Vom Bett aus hörte man in der Nacht das Meer rauschen, weit kann es nicht weg sein. Luftlinie ein Kilometer in den Badeort unterhalb. Es gibt einen Rundwanderweg, zehn Kilometer.
Wir laufen in einem trockenen Flussbett am Wasserspeicher und an Bananengewächshäusern vorbei bergab. Erst über griffige glattgeschliffene Lava Felsen, dann über einen waghalsigen Pfad im Zickzack die Klippen hinunter. 460 Höhenmeter.







Puerto Naos liegt am schwarzen Strand, eingebettet in Bananenplantagen. Unten angekommen zittern die Beine. Der Ort ist ganz nah am frischen Lava Feld von 2021 und war lange gesperrt. Noch immer warnen Schilder vor hohen CO2 Werten.

Die Rast am Strand in der Sonne tut gut. Wir könnten länger hier sitzen. Aber wir müssen wieder hoch.

Man kann leider nicht an der Küste entlang laufen, der Weg ist gesperrt, Privatgelände, ein riesiger Hotelkomplex beansprucht die Felsnase überm Meer. Wir laufen die Straße lang, und sehen nichts vom Meer, nur die hohen Mauern der Bananenhäuser. Von unten ist nicht erkennbar, wo der Weg die Klippe hinaufführt. Wegweiser gibt es nicht. Die WanderApp kennt sich aus. Wir kämpfen uns hinauf. Echt hart.



Erst kraxeln wir über kaputte Wasserleitungen, dann windet sich der schwarzsandige Weg durch brusthohe Canarenmacchia, es duftet wie in einer Kräuterapotheke. Am Himmel hängen lachsfarbene Wölkchen. Endlich haben wir die Kante erreicht.




Nun ist es noch ein kurzer Spazierweg über eine sandige Fahrstraße, die an hübschen Villen vorbei führt.
Zurück am Häuschen springen wir in den Pool und genießen die heisse Dusche.
In Bananenblättern gegarte Doraden, wilder grüner Spargel und Papas Arrugadas – Kartoffeln mit Salzkruste – munden und runden den Tag ab.
Nicht schlecht, Herr…Girlitz! Die MorgenAussicht! Die Höhenmeter! Das DraußenEssen! Der Pool! 🤩