2.10.24 Gran Sasso d’Italia

Eine einsame Straße führt zum Gran Sasso hinauf.

Kalt ist es am höchsten Punkt des Campo Imperatore. Die Bergstation der Seilbahn liegt auf 2130 Meter. Von hier aus starten viele Wandersleute ihre Tour auf den höchsten Gipfel Mittelitaliens. Corno Grande, das grosse Horn, heißt er.
Heute hängen die Wolken tief, schon kurz über dem Parkgelände verschwinden die bunt gekleideten Unverzagten in der grauen Suppe. Wir begnügen uns mit einem Spaziergang über das windige Gelände, bevor wir wieder ins warme Womo kriechen. Zu sehen gibt es ein Observatorium und einen kleinen botanischen Garten mit Bergkräutern, beides verschlossen. Ebenfalls geschlossene Imbissbuden, eine kleine Kapelle, Pistenmaschinen, Mülleimer. Dominiert wird die Szene vo einem grossen dunkelroten Haus. Einst war es eine stattliche Albergo, nun blättert der Putz, sind die Fensterscheiben eingeschlagen, das Gebäude ist dem Verfall preisgegeben, als beherbergte es die Seuche, nachdem Mussolini es 1943 zwei Wochen lang bewohnen musste. Die Faschisten hatten ihn dort eingesperrt, als sie ihn für die Niederlagen im Krieg verantwortlich sahen und abgesetzt hatten. Die deutschen Nazis haben ihn dann entführt (Unternehmen Eiche).


Bei der Weiterfahrt über die Hochebene halten wir oft an. Besonnte und
wolkenbeschattete Flecken wechseln ständig. Jeden Moment könnten Dschingis Khans Reitertruppen über die Hügel preschen. Aber nur Schafe und Kühe grasen friedlich vor sich hin.
Klein Tibet wird die Hochebene genannt, weiß der Reiseführer. Italo Western wurden hier gedreht. Digital detoxen könnte man, kein Netz, null.


Wir passieren ein geschlossenes Restaurant mit großer Parkwiese, im Sommer werden hier Hammelspieße gegrillt.
Wir überqueren die Passhöhe, lassen die beeindruckende Hochebene hinter uns und blicken Richtung Süden ins Alterno Tal.


Die Orte schmiegen sich in die Hügel oder thronen auf den Kuppen. Alle sind braunbeige und leuchten in der Sonne. Alle haben einen Burgfried oder Kirchturm am höchsten Punkt. Sie haben wohlklingende Namen: Castel del Monte (hier wurde „The American“ mit George Clooney gedreht), Santo Stefano die Sessanio, Calascio, Capestrano, Navelli. Die Gassen sind eng, verwinkelt, steingepflastert, steil und stufenreich. Kaum eines der kleinen Steinhäuser ist bewohnt, viele sind verfallen, aber viele auch hübsch hergerichtet. Sommerhäuser mit Türklopfern.

In der Straßen erzählen großformatige schwarz-weiss Fotos vom Leben in den Dörfern in den 50ger Jahren, als sie noch ganzjährig belebt waren. Jetzt haben nur noch wenige Bars geöffnet, die Gegend gleitet in den Winterschlaf.


Wir radeln auf und ab durch die Orte, über die Ebenen, es lebe das E-Bike!


Der Wetterbericht meldet Regen für die nächsten Tage. Den wollen wir in l’Aquila aussitzen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Edehigh

    Sehr schön – danke!! 🙂🙏

  2. charlottgreen

    Wow!

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