Die deutsche Wehrmacht ließ hier in Bordeaux einen Bunker bauen für die U-Boot Flotte. 1943 wurde er fertig gestellt. Ein riesiges düsteres Betongebäude mit 11 Toren zu einem Hafenbecken an der Garonne.

Nach dem Krieg war der Klotz nicht kaputt zu kriegen (Decke mit 9 m Dicke), stand lange leer.

Der Film „Das Boot“ wurde zT. hier gedreht.
Auch die freie Kunstszene entdeckte die Location. Seit ein paar Jahren werden nun vier Hallen für gigantische Videoinstallationen genutzt. Die U-Boot-Becken sind wieder mit Wasser gefüllt, die Wände grober Beton.
Bassin des Lumieres
heisst die Veranstaltung, die Themen wechseln halbjährig, zuletzt zeigte man die Bilder von Klimt und Klee, jetzt aktuell aber geht es um
DAS ÄGYPTEN DER PHARAONEN


Wir sehen Projektionen französischer Orientalisten (Delacroix) Gemälde aus dem Orient, Straßenszenen, Höfisches, wilde Tiere, überblendet, ineinander fließend, wie Filme, mit passenden Klängen hinterlegt.

Dann Bilder (verfremdete Fotos) altägyptischer Schätze, Masken, Schriftzeichen, Portraits. Die Wände, der Boden das Wasser – alles wird zur Projektionsfläche. Dazu Musik aus Aida, aber auch aus Filmen.




Wir staunen, tauchen ein, sind mittendrin. In allen vier Hallen, jeweils 25 m breit und 100m lang, läuft die gleiche Installation aber immer in anderen Perspektiven. Manchmal wird’s uns schwindlig, weil sich Wände und Boden scheinbar bewegen, selbst die Decke hebt ab. Details aus Bildern, dann wieder die große Totale, – ein Schmaus für die Augen.

Nach zwei Stunden sind wir satt, auch erschöpft, und erholen uns im Womo, das wir direkt am Bunker parken konnten.
Nach gutem Kaffee gehts mit den Rädern in die Innenstadt. An der Garonne entlang eine feine Promenade, kleine Läden, Restaurants, davor sehr breit der Rad- und Gehweg. Wir passieren einen großen Skaterpark, dann ein großes ganz flaches Wasserbecken, man kann hindurchlaufen oder einfach das Lichtspiel geniessen. Hinter der Promenade die Fassaden stattlicher Häuser, nicht protzig. Wir biegen ab ins Zentrum, radeln langsam durch Gassen und über viele Plätze, überall sitzen junge Menschen in Cafes und Kneipen, die Stadt begeistert uns sehr, kleine interessante Läden, elegante Geschäfte, eine ganze Gasse nur mit Fahrradreparateuren, alles hat Stil, Ein Reiseführer schreibt, daß Bordeaux als zweitschönste Stadt Frankreichs gilt – wir glauben es gern. Natürlich war die Stadt nicht von den Nazis verschont worden, schließlich war sie ja besetzt, aber die Wehrmacht zog 1944 kampflos ab, gut so..
Am besten beschreibt GROßZÜGIG diese Stadt. Alles gut bemessen, nicht zu eng und nicht zu breit, auch nicht tümelnd alt, sondern behaglich. Es wird grün regiert, die Stimmung ist liberal und vielfältig, Man möchte hier leben. – Aber 6,50 für n Bier in einer „Wermutheria“ ist dann doch heftig.








Wir übernachten im Schatten des großen Bunkers, was niemanden stört. Es regnet die ganze Nacht, am nächsten Vormittag laufen wir im Niesel, vorbei am Marinemuseum (und daneben einer leider ausgebuchten Ausstellung mit Kunstobjekten aus LEGOsteinen!)





zur
CITE DE VIN:
Ein neues Gebäude mit seltsamer Form, dem Wirbel des Weines im Glase nachempfunden, oder einer Dekantierkaraffe? naja.

Darin jedenfalls eine große Ausstellung über ALLES vom Wein: Regionen, Religionen, Anbau, Kult, Rebsorten, Düfte, Farben, Methoden, Historisches, Gegenwärtiges, Spielerisches, der Wein im Film…auch ein Test, welcher Wein zu einem passt, wie praktisch: Rioja gewinnt bei uns beiden, da wollen wir ja hin auf der Reise.



Fast vier Stunden verbringen wir hier, zum Schluß gibts einen Schoppen nach Wahl auf der Dachterrasse, ist im Preis drin, nimmt man mit. Wir wissen nun: – was Edelfäule bedeutet und wie sie entsteht (beim Wein!), Sauternes heisst die Sorte; -auf Santorin wächst sehr mineraliger Wein an Rebstöcken in Nestform und verschont von der Reblaus, weil kein Lehm da; – im manchem Weinaroma steckt auch Pferdedung und Schafscheiße, was mit Leder und Holz gar nicht schlecht daher kommt; – Dionysos verzauberte seinen ermordeten Geliebten in einen Rebstock, seitdem ist Wein göttlich, mehr so grundsätzlich.
Vielfältig also diese Weinreise, und kurzweilig.
Heiter weiter, im Niesel zurück.
Den Nieselregen gut umgangen.
Prost