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Cordoba

vorneweg mal, die „Schande von Cordoba“ (FußballWM 1978: Niederlage mit 2:3 gg. Österreich, Siegtor durch Krankl, „i werd narrisch“) fand in Argentinien statt. Da täten wir ja nie hinfahren.

Unser C. liegt in Andalusien, hat aber auch seine Historie.

Wir radelnrollenrasen steil bergab, erst auf schlechtem Wanderweg, dann auf gutem Radweg.

Radweg

Die Bergstrecke ist populär, viele ältere Männer keuchen uns entgegen. Durch die Großstadt ins alte Zentrum, wir sichern die Räder bei der steinalten Römerbrücke. Und eilen (man bucht online den Eintritt mit Zeitslot) zur MEZQUITA.

Eine 1300 Jahre alte Moschee und mittendrin eine große Kirche. Neben der Alhambra in Granada und der Kathedrale in Sevilla ist sie DAS „musst gsehn hamm“ von Andaluzien, jawoll.

Am Anfang war da eine Kirche, so um 700 nC rum. Westgotisch. Nach der maurischen Eroberung vllt eine geteilte Nutzung, dann kaufte der Emir das Gebäude, es wurde platt gemacht, und ab 784 baute er eine erste Moschee, auch mit den schon alten Säulen. Die steht noch, wurde mehrfach erweitert, war die größte im Westen, nach der christlichen Rückeroberung dann von Christen genutzt. Dann wurde mittenrein eine christliche Kathedrale gebaut. Und vor ein paar Jahren gedachte die Stadt Cordoba, das über Jahrhunderte Mezquita genannte Gebäude nun nur noch Kathedrale zu nennen, und also den islamischen Teil zu ignorieren. Das gab Ärger und ging schief.

Gern wird von der friedlichen gemeinsamen Nutzung über lange Zeit gesprochen, aber das ist leider mehr ein schönes Märchen, es war ein entweder/oder.

Heute sehen wir eine gigantische Halle, zarte  Säulen tragen kräftige Doppelbögen, viele „Schiffe“ nebeneinander, an den Seiten einige christliche Altäre mit den üblichen Folterbildern, eine grandiose muslimische Gebetsnische unter ornamentaler Kuppel, wunderschön ebenmässig.

Mehrere innere Tore, auch diese mit Ornamenten. Gänsehaut und Tränen der Berührung: Das islamische Bilderverbot führt zu ungeheurer abstrakter Schönheit.

Die reingepresste Kirche gefällt uns überhaupt nicht, ist kitschig verschnörkelt. OK, das dunkle Chorgestühl ist schon besonders.

Nüchtern betrachtet ist es wohl so, daß dieser Kirche zu verdanken ist, daß der schöne große „Rest“ drumherum erhalten ist.

Wir staunen ein paar Stunden! herum, ein Audioguide hilft dabei. Am Ende noch durch den zugehörigen Park nebst Turm

Dann lassen wir uns durch die Altstadt treiben. Gassen, Plätze, Innenhöfe, ein Imbiss vor dem Museum der Römerzeit.

feministische Grablegung

Die Brücke über den Guadalquivir ist auch aus dieser Zeit, später maurisch renoviert.

Und kam bei Game of Thrones zu neuen Ehren (für die Insider: als „Lange Brücke von Volantis“)

Wir laufen ungefilmt einmal rüber, beschallt von nicht so dollen Straßenmusikern.

Ziemlich erschöpft sind wir, also zurück ins Heim. Auf dem Weg radeln wir über einen schönen großen Platz, der uns so gut gefällt, daß wir dort noch einen Kaffee nehmen.

Cafe

Nun aber endgültig zurück… wir kreuzen durch die Altstadt, enge volle Straßen, eine Polizeiabsperrung zwingt zu Umwegen, durch eine Prozession stecken wir im Stau, immerhin mit schöner Blasmusik.

Und dann plötzlich die Erkenntnis: wir haben beide unseren Rucksack im Café liegen lassen, mit Geldbörse Ausweisen und Autoschlüssel. In Panik zurück – aber der Platz muss erstmal wieder gefunden werden, ich zeige einem Einheimischen ein Foto, er hilft weiter. Und am Cafe strahlt der dicke Kellner, er hatte uns erwartet – wir freuen uns mit ihm.

nochmal

Verstört und erleichtert nun wirklich zurück, die Bergfahrt fällt leichter als gedacht, dem Turbo sei Dank.

Oben lungern viele Schafe um unser Heim (einem Nachbarn hatten sie am Vortag die Campingstühle vollgekackt)

Spannende Mischung heute, ein Ab und Auf, bewegt und bewegend, am Schluss noch dusselig, die große Schmach von Cordoba blieb uns erspart, Charlott muss sich keine Sorgen machen.

Schön war’s.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. charlott

    Eure Fotos aus der Mezquita finde ich grossartig.

  2. Eckhard

    Fantastische Fotos u. Klarstellung der angeblich 700 Jahre währenden ‚friedlichen- Koexistenz-Legende von Cordoba‘!! Muchas Gracias!! Vll sollte ich mich, statt einer zweiten ‚Großen Chiemsee Fahrt‘ mit Leitner, doch noch auf den Weg nach Cordoba machen?! 🤔😃👍🙏

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