Die Nacht war ruhig, doch früh am nächsten Morgen passierten uns viele höfliche Pendler, sie grüssten hupend. Wir nahmen sie in unser Morgengebet und drehten uns noch mal rum.
Die Passstraße führt uns hinab ins Jertetal, Spaniens Hauptanbaugebiet für Kirschen. Ende Mai beginnt die Erntezeit. Die Früchte werden von Hand gepflückt. Von wem? Mit Stielen, damit sie heil bleiben. In der Verkaufsgarage einer Kooperative kaufen wir welche, süss und köstlich sind sie.

Gegenüber ist ein Altenheim. Zumindest die Fassade wirkt lebensfroh.

Nur ein Stück fahren wir Tal aufwärts und biegen dann nach Norden ab. Geradeaus ginge es weiter nach Avila.
Der Honduras Pass ist berühmt und beliebt bei Radlern (Spanien Rundfahrt) aber schmal. Im Netz wird für Womos dringend abgeraten, wir trauen uns trotzdem (danke, Hans, fürs Schubsen) und werden es nicht bereuen.

Wenig Gegenverkehr. Gut fahrbar.


Erst Kirschbäume, dann Steineichen und Esskastanien. Schnell ist man hoch oben. Mehrere Haltemöglickeiten mit Aussicht. Und nach den Bäumen: gelbe Berge.


Auf allen Kuppen blüht der Ginster. Es riecht wie im Blumenladen. Wir machen eine Staunpause und schwelgen im Duft.

Die Passhöhe ist einsam, leider kein Café.

Der Blick geht weit und ins nächste Tal. Wir kommen gut wieder runter, lassen das schöne Gredos Gebirge mit seinen immer noch schneebedeckten Gipfeln hinter uns und nehmen die Autobahn nach Norden.
Eigentlich wollten wir in Salamanca nur günstig tanken, aber die Tanke lag günstig und der Tankwart ließ uns parken, und schon liefen wir über die alte Brücke in die alte Stadt.

Wieder zwei aneinander gebaute Kathedralen, eine alt, die andere noch älter.




Ein Plaza Major, der als schönster Platz Spaniens gilt, und uns auch wirklich gut gefällt in seiner Ebenmässigkeit. Fast quadratisch, rundum Arkaden, die Fassaden sind gleich gestaltet: schwarz vergitterte Balkone mit bodentiefen Flügeltüren, braune Wände, auch die Fensterläden sind braun.

Viele junge Menschen. Salamanca hat eine große internationale Uni.


Wir verpassen mehrere Kunstmuseen und auch den Sprachkurs machen wir ein andermal. Die kurze Stippvisite hat uns Lust gemacht auf mehr.

Durch die Kornkammer Kastilien, der Weizen wird inzwischen geerntet, sausen wir hindurch, lassen Burgos und Leon liegen. Wir müssen ja noch in die Rioja Region, an der wir zu Beginn der Reise aus Versehen vorbei gefahren sind.
Hier wird Spaniens berühmtester und bester Wein angebaut.

Wir steuern die Stadt Haro an, die sich sehr zum Ärger von Logrono als Hauptstraße des Weines feiern lässt.





Viele prämierte Weingüter haben hier ihren Stammsitz nah dem Bahnhof. Ihren guten Ruf lassen sie sich alle teuer bezahlen, hier kostet sogar ein Maulvoll Wein zum probieren zwei Euro.

Wir begnügen uns mit einem bezahlbaren Kistchen. Am Hauptplatz von Haro gelingt es uns an unserem letzten Spanien Tag tatsächlich noch, Tapas zu essen. Schmecken gut.
Danke für die Beschreibung und die Fotos! Meine Vorfreude steigt, mich selbst auf den Weg zu machen – „in die andere Richtung“ 🙂