Eindruck vom Skutarisee

Der Fluss Buna fließt träge am Camping Australia vorbei.

Wir haben den einzigen Schattenplatz ergattert und wollen da nie wieder weg. Wir beobachten einen Mann, der die Halterung für den Flachbildschirm aussen am verglasten Restaurant anbringt. Dafür bohrt er eine Alustütze an. Wird er die Panorama Scheibe anbohren?

Dann brechen wir doch auf. Mit den Rädern fahren wir an der Brücke in die Innenstadt von Shkodra vorbei, durch eine slumartige Romasiedlung hindurch und dann am Skutarisee entlang, fast bis zur Grenze, wo die Straße endet und in einen Wanderweg übergeht. Die schmale Teerstraße hat sogar einen Radweg. In einem kleinen Dorf tummeln sich viele Leute, ganze Familien, fein herausgeputzt. Sie schwenken rote Landesfähnchen während an jeder Ecke Leinwände aufgestellt werden. Albanien spielt gegen Italien, „Deutschland – Albanien – Final!“ ruft uns einer nach. Woher weißt der, dass wir deutsch sind?

Zu Balkan Popp essen wir im letzten Lokal vor der Grenze, ein einfaches Holzhaus, die Steinplatten der Außenterrasse nass vom Abspritzen – hier kehrt man mit dem Wasserschlauch.

Es gibt Suppe, Salat und gegrillten Karpfen aus dem See. Das müssen grosse Karpfen sein, unsere Stücke sind Querscheiben und bedecken fast den ganzen Teller. So kennen wir Karpfen nicht, es mundet uns. Eine bettelnde Katze verjagen wir mit einem kräftigen Guss Wasser aus der Karaffe. Die tiefstehende Sonne taucht alles in goldenes Licht.

In dem kurzen Moment, bevor die  Sonne endgültig untergeht, legt ein sanfter Wind die Wasseroberfläche des Sees in petrolfarbene Kräusel, flirren die hohen Berge dunkelviolett, leuchtet der noch helle Himmel apricot – blassblau, man wünscht sich Farbe, Pinsel, Leinwand und zückt die Kamera, wohl wissend, dass man den Augenblick nicht wird bannen können.

Pünktlich zum Spiel sind wir zurück am Platz. Die Scheibe ist heil, der Fernseher hängt und läuft schon. Wir freuen uns mit den anderen Gästen über das erste Tor für Albanien, schauen dann aber doch im Heimkino weiter. Die Kommentare der deutschen Übertragung verstehen wir besser.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. zumretatihic

    Bevor ich nach Deutschland kam,habe ich nur so gebackene Karpfen gekannt. 😊

  2. charlottgreen

    Faleminderit 🙂 uns mitzunehmen.

  3. charlottgreen

    Habe mich gefragt, wie um alles in der Welt man aus diesen platten Karpfen, die ich seit meiner Kindheit esse, Scheiben gewinnen kann. Habe beim Googeln erfahren müssen, dass ich zeitlebens in Franken nur halbe Karpfen auf den Teller bekommen habe. Wieso hatte ich dann immer das Teil mit dem dicken Grätenrücken? Wer hat die anderen Hälften bekommen?

  4. Edehigh

    Danke für die wunderbar erzählten Eindrücke u. beeindruckenden Fotos!!! 👍🙏🙂

Schreibe einen Kommentar zu zumretatihic Antwort abbrechen