Eine Erinnerung für immer

Der dünne Mann nennt sich Gringo, hat grosse Augen und eine tiefe Stimme. Er hat Design studiert und zwei Jahre in Amerika gelebt. Unser Termin bei ihm war für vorgestern geplant. Er hatte ihn abgesagt, er war krank. Heute ist er noch ein bisschen blass um die Nase, aber es geht ihm viel besser. Sein Studio ist hoch oben in einem alten Haus, er wirft uns den Haustürschlüssel hinunter, weil die Tür verschlossen ist. Wir sitzen auf schwarzen Lederpuffs während er unseren Entwurf am PC designt und in verschiedenen Größen ausdruckt.

Auf dem aufgehängten Monitor laufen Musikvideos. Frauen tanzen Pornoposen, Männer gestikulieren gangsterhaft.
Marlene ist die erste. Stoisch hält sie ihren Arm ganz ruhig und verzieht keine Mine.

So schlimm kann es nicht sein, denke ich. Ich wollte nie ein Tattoo. Aber jetzt kommt diese Idee daher, diese besondere Gruppenreise gemeinsam für immer festzuhalten. Ein gemeinsamer Entwurf ist entstanden, der soll in verschiedenen Größen und an verschiedenen Stellen auf unsere Häute, da will ich mitmachen.
Ich soll mich hinlegen und ihm den Fuß hinstrecken. Ich bin froh, dass ich liege, da kann ich nicht umfallen. Gringo sprüht und reibt, dann geht es los. Autsch! Ein stechender, brennender Schmerz, wie von vielen gleichzeitigen Wespenstichen.

Ich halte die Luft an, zwicke mir in die Bauchhaut, um einen Gegenreiz zu setzen, ich werde einen blauen Fleck davon bekommen. In den Pausen, in denen Gringo Farbe nachlädt, atme ich tief durch. Die Prozedur dauert nur wenige Minuten, zum Glück ist unser Motiv klein und besteht nur aus feinen Linien. Uff.

Es sieht cool aus, der stilisierte Vulkan mit der Welle und der Note, darüber ein waagerecht liegendes C für Cap, das eine Sonne sein könnte, das ganze Ensemble in V-Form, wie Verden. Sehr sehr cool. Ich bin stolz. Auf die Tattoos kommt Folie. Ein bis zwei Tage, danach Cremen. Take Coconut Oil, its the best.

Gringo macht Fotos von uns. Wir sollen sie ihm schicken. Er wird Werbung damit machen und vielleicht weitere Bleichgesichter damit gewinnen. Ich wünsche ihm gute Geschäfte, er versteht sein Handwerk.
Am Abend fliegen wir nach Praia. Auf dem Weg zum Flughafen nähern wir uns dem Berg, dessen Rücken aussieht wie ein liegender Kopf. Moonface, sagt der Taxifahrer, und „Bye bye Mindelo“.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Edehigh

    Ihr seid sehr mutig und jetzt auch noch schöner!! 🙂👍😅😂

  2. charlottgreen

    Ja, das finde ich auch.

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