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Kandy


Am Morgen laufen wir ein Stück an der wilden, lauten Straße entlang zu einem einfachen, offenen Strassenlokal, in dem wir die einzigen Ausländer sind.

Da fährt seit Dezember kein Zug

Dort frühstücken wir regionale Kost. Wir werden dezent beobachtet und freundlich unterstützt. Eine Kundin spricht Englisch und erklärt uns, was es an den buffetartig nebeneinander aufgereihten verschiedenen Kochständen gibt. Gepressten Kokosreis, süss gefüllte Pfannkuchen, gefüllte Teigtaschen, Egg-hoppers (schüsselige Reisteigpfannkuchen), verschiedene Currys und Obst, süßen Chai Tee. Wir bekommen mit Plastikfolie abgedeckte Teller und zeigen auf alles, was wir essen wollen. Am Schluss bezahlen wir beim Kassierer, der alle Preise mit Kuli untereinander schreibt und addiert. Alles zusammen zwölf Euro.

Kokosnuss wird geraspelt

Hier in Kandy wollen wir den botanischen Garten besuchen, den Royal Garden Peradeniya. Er liegt in einer Flussschleife des Mahaveli Flusses. Wir waren 1983 schon einmal dort, während unserer ersten großen gemeinsamen Reise. Ich habe den Park als überwältigend gross und schön in Erinnerung.
Von der Flussbrücke aus sehen wir erschüttert einen kleinen Teil der Zerstörung, die die Überschwemmung im vergangenen Dezember angerichtet hat. Der Mahaveli, der heute tief unter uns flach und ruhig dahin strömt, ist über die Ufer getreten und hat ganze Häuser mitgerissen.

Comics am Kiosk

Auch der botanische Garten war überflutet, hat es aber recht gut überstanden. Im Garten sind keine Spuren des Unwetters zu sehen. Das erste, was beim Betreten der grossen Anlage auffällt, ist die Abwesenheit von Straßenlärm. Ein Ort zum  Durchatmen und Schlendern.
Offiziell gegründet wurde er von der britischen Kolonialverwaltung 1841, war aber davor bereits seit dem 14. Jahrhundert ein königlicher Lustgarten der singhalesischen Herrscher. Heute zählt er mit einer Fläche von 60 Hektar zu den bedeutendsten botanischen Gärten Asiens.

Tickets

Im Zentrum liegt eine weitläufige Rasenfläche, gesäumt von gewaltigen Bäumen mit schattenspendenden Kronen.
Wir schauen uns im Orchideenhaus um, bestaunen riesige Bäume, die dort sicher schon länger als 170 Jahre stehen, schnuppern an Rosen, schauen einer Braut-Fotosession zu.

Kühe liegen widerkäuend im Gras, Liebespaare kuscheln auf Parkbänken, Familien picknicken auf den Wiesen, Affen durchsuchen die Mülltonnen und schlecken Becher aus.


Eine Weile schlendern alle im eigenen Tempo, bis wir uns dort, wo die Flughunde lärmen, und kopfüber in den Baumkronen und Bambushainen hängen, dort wo es nach Cannabis riecht – denn so riecht der Kot der Tiere – wieder zusammenfinden. 24.000 von diesen riesigen Fledermäusen mit einer Flügelspannweite von 1,2 Metern leben in dem Park. Ich denke an Hitchcocks „Die Vögel“ und gebe mich fasziniertem Grusel hin.

fliegende Flughunde
schlafende Flughunde

Marlene lässt die Drohne durch die berühmte Palmenallee fliegen, sehr hohe, schlanke Palmen in perfekter Reihe.

Palmenallee

Ich bin nicht so beeindruckt von diesem schönen Garten wie vor 44 Jahren. Woran liegt das? Damals zwanzig, heute 64? Damals leicht zu beeindrucken, heute abgeklärt? Damals war es mein erster botanischer Garten überhaupt, den im Erlanger Schloßgarten ausgenommen. Heute ist es mein zigster..

Mein Vater hätte gesagt: du bist auch schon ruhiger geworden. Und meine Mutter: der Lack ist ab.

Ich freue mich an der Begeisterung der Jüngeren unserer Reisegruppe.

Kolibri vs Flughund
Drohne fliegen im Botanischen Garten von Peradeniya
Autorin: Marlene

Ob unsere Drohnenlizenz noch rechtzeitig zur Reise durchkommt war fraglich, und dann ging es am Ende doch ganz leicht. Schon die Flüge der Drohne (Codename Kolibri) rund um den Löwenfelsen hätten den Bürokratieaufwand gelohnt. Alles was jetzt noch geht, ist Bonus.
Man entwickelt dann Ideen, was man so fliegen könnte, welche Shots ich gern hätte, was ich gern mal aus der Luft sehen will. Zum Beispiel die Palmenallee im Botanischen Garten von Peradeniya. Allerdings findet man kaum Aufnahmen und keine Infos online, ob man das dort darf, das Fliegen. Stellt sich raus: man darf! Gegen Zusatzgebühr, alles hochoffiziell vom Polizeibeamten abgestempelt. Ready for take off.
Ich steuere aufgeregt durch die Palmenallee, drehe stolz ein paar Runden um besondere Bäume, nerve die anderen Gartengäste hoffentlich nicht zu sehr, probiere mit Tilman ein paar besondere Shots aus. Der hat Blut geleckt und wird jetzt auch kreativ. Besser er als die Kolonie der Flughunde, die wir ein paar Minuten nach der letzten Landung entdecken: 24.000 Tiere mit Flügelspannweite von bis zu 150cm veranstalten weit mehr Lärm als unsere kleine Drohne zuvor. Hitchcock-esk sausen krabbeln flattern sie in den Bambusstämmen über uns. Ich bereue die verpasste Luftaufnahme der Kolonie, bin aber auch froh mir dieses Match „Kolibri vs. Flughund“ nicht ansehen zu müssen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Anonym

    „Abgehoben“, der Drohnenflug. Toll!
    Liken kann ich leider nicht, kommentieren, hoffe ich, klappt. Seltsame Rückmeldungen der App ;-). Immerhin kann ich alles lesen und mich erinnern und Grün (!!!) sehen. Hach

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