L’Aquila

Ein guter Stellplatz in L’Aquila, direkt am Stadttor, recht ruhig und vor allem GERADE, denn das ist sehr wichtig für den Betriebsfrieden im Fahrzeug. (Es gibt ja Womos, die haben unsportliche hydraulische Hubstützen, der Fahrer hingegen hat drei! Auffahrkeile, mit denen er das Schlafzimmer und damit die Gattin gerade, aber nicht flach legt)

Die Nacht über trommelt reichlich Regen aufs Dach, doch am nächsten Vormittag können wir trocken los.

Die Stadt galt als barocke Schönheit, dann bebte 2009 die Erde. Danach war sehr viel zerstört. Es dauerte Jahre, bis der Wiederaufbau endlich begann, verzögert durch Korruption und Mafia.

Inzwischen ist in der Innenstadt viel saniert, am Hauptplatz ist nur der Dom noch eingerüstet. Neues helles grelles Pflaster, nicht wirklich schön. Auch die Fußgängerzone wirkt kühl. Es fehlt die Patina, woher soll sie auch kommen.

Immer wieder sind einzelne Häuser mit einem Korsett versehen, an einer geschlossenen Kirche hängt noch der Plan der Gottesdienste vom April 2009. Überhaupt hats hier sehr viele Kirchen, manchmal direkt nebeneinander. Man war mal sehr fromm. Alle erschütterten Städten Mittelitaliens werden von Baukränen überragt, so auch hier. Ein Krankenhaus, das Theater und andere Paläste sind im Aufbau, bald fertig. 2025 soll L’Aquila Kulturhauptstadt Italiens (nicht Europas) werden, auferstanden aus Ruinen.

Wir laufen bis zum höchsten Punkt der Stadt, dort steht ein Festungsgeviert herum, gut erhalten, unzerstört, stabil und völlig nutzlos.

Daneben eine kleine bunte Konzerthalle, gebaut von Renzo Piano, eingeweiht von Claudio Abbado.

Dann gibt es da noch den alten Brunnen mit den vielen Köpfen, 99 sind es. Hier nahm die Stadt ihren Anfang, wegen des sprudelnden Quellwassers.

Der schöne Brunnenplatz wird von zwei Presslufthämmern hoch oben auf einer Bauruine heftig beschallt und damit kaum geniessbar.

Dann aber kommen wir noch an ein wirklich  zauberhaftes Haus:

Am Rande der Innenstadt, etwas außerhalb also, steht perfekt in Szene gesetzt durch das große lange gräserne Campo davor, eine Kirche, Basilica Santa María di Collemaggio.

Spätromanisch/frühgotisch, im Barock verunziert, dann rückgebaut, gut so.

Eine dezente Fassade, kubisch, ohne Turm. Beim Eintritt eine große Schlichtheit, die helle Leere macht keine Angst, denn es gibt einfache klare haltgebende Strukturen, geformt aus Rundbögen und Säulen. Darüber im wunderbaren Kontrast eine braune Holzdecke, dunkel, aber nicht düster dräuend, sondern warm deckend.

Es schallen sehr alte liturgische Gesänge aus Lautsprechern, der gewollte Effekt funktioniert unweigerlich. Hier kann man sitzen, schweigen, wesentlich werden.

Auch hier gab es Schäden, das Geviert war eingestürzt, und die Apsis davor. Nun aber ist alles heile, die großen Säulen haben innere Stabilisierungen bekommen.

Vorne sind aber noch andere „Schäden“, die des Nachbarockens, zu sehen, da muss man drüber weg kucken oder sich abwenden.

Der derzeitige Papst war schon da und brachte den Schrein zurück, den sein Vorgänger abgeholt und zwischengelagert hatte, während der Reparatur. Denn ein Ordensgründer ruht hier, (später auch Papst: Coelestin V, ab 1294) der der Kirche von Beginn an mit reichlich Ablassprivilegien guten Zulauf verschaffte.

Und so verlassen auch wir geläutert und gereinigt diesen schönen Ort.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Edehigh

    Schön, die Basilica auf euren Fotos so aufgeräumt und schön zu sehen! Vor etwa 5-6 Jahren lief noch ‚ein breiter Graben‘ mitten durch.🙂

  2. ilweiss741d9d2c27

    So nah und immer noch so erschüttert, diese mittelitalienischen Orte. Das ist ein wunderbarer Bericht, die Kirche wirkt sehr einladend, beruhigend.

  3. Edehigh

    Gerade nochmal betrachtet u. gelesen u. genossen!! Ecuardo 🙂

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