
Auf unserer ersten Peloponnes-Tour vor ein paar Jahren sind wir durch die Rindomoschlucht gewandert, eine der spektakulärsten Schluchten Griechenlands. Danach ist damals unser Motor kaputt gegangen, und die Reise war zu Ende.
Wir fordern das Schicksal heraus, fahren zum Ausgangspunkt der Wanderung. Hoch in den Bergen steht eine kleine Kapelle, davor können wir parken und übernachten. Kurz nach dem Einbruch der Dunkelheit heulen Schakale von allen Seiten, und das Heulen kommt näher. Greifen Schakale Wohnmobilisten an? Jo will das Geheule aufnehmen, aber da verstummen sie. Es sind Goldschakale, weiß Google, sie kommen aus Südostasien und breiten sich immer weiter nach Westen und Norden aus. Sogar in Brandenburg wurde schon einer gesichtet.
Unsere Idee, durch die Schlucht zu laufen, wackelt, weil in den Bewertungen auf Google sehr viele mahnende Stimmen zu lesen sind. Es seien Tritteisen abgebrochen, und es sei eine sehr anspruchsvolle Klettertour. Wir beschließen, diesmal nur bis zur Brücke zu gehen und hinunter zu schauen, gemäss der Empfehlung für weniger fitter Menschen. Dann fahren in einem deutschen Pkw ein übergewichtiger Pole, seine Frau und sein riesiger Hund vor. Sie brechen fröhlich Richtung Schluchtgrund auf. Ich spreche sie an, frage ob sie wissen dass es schwierig ist, der Mann berichtet, er sei im Mai schon dort gewesen und es sei kein Problem gewesen, keinerlei abgebrochene Stellen. Nur den Hund habe er ein wenig schieben müssen damit er es die steilen Stellen hinauf schafft. So ermutigt brechen wir doch zur ursprünglich geplanten Tour auf. Jo nimmt sicherheitshalber ein Kletterseil mit. Der Weg führt eine halbe Stunde bergab, am Wegrand blühen zarte Alpenveilchen, auf dem Boden liegen leer geschossene Schrotpatronen, hier wird gejagt.

Dann eine Stunde durchs Kiesbett, größere und kleinere Felsbrocken bereiten uns keine Schwierigkeiten. Als sie größer werden, binden wir die Stöcke an die Rucksäcke. Besser man verwendet die Hände zum festhalten und abstützen. Immer höher werden die Felsen, Meter hoch. An den sehr schwierigen Stellen sind Tritt-Eisen, auch rote Punkte markieren die beste Route durch das Felsenmeer.

Den Rücken und den Po an den einen Fels drücken, die Füße an den Fels gegenüber stemmen und dann hochschieben, seitwärts im Krebsgang, bis die Hände oben wieder eine Griffmulde finden. So geht das an vielen Stellen. Ich werde immer sicherer, der Körper weiß was zu tun ist, es ist beglückend. An der für mich schwierigsten Stelle, eine lange ausgewaschene steile Halbröhre, steigt Jo vor und lässt mir das Seil herunter, daran kann ich mich festhalten und hochziehen. So schaffe ich auch diese Stelle. Gefühlt zwei Stunden kraxeln wir auf allen Vieren die Felsen hoch. An der letzten schwierigen Stelle begegnet uns ein englisches Paar in unserem Alter, sie kommen von oben. Die Frau bewegt sich sehr unsicher, hat offensichtlich Angst. Als sie endlich durch ist durch die schwierige Stelle, ist es ihr peinlich, sie entschuldigt sich, dass sie so lange gebraucht hat. Wir warnen das Paar nicht vor dem was noch kommt. Sie fragen auch nicht. Später tut mir das leid, denn ab dieser Stelle ist der Weg wieder leichter zu gehen, und wenn für die Frau diese erste schwierige Stelle schon solche Probleme bereitet hat, wie kommt sie dann die anderen Stellen hinunter? Wir sind kurz darauf an der engsten Stelle der Schlucht, über 200 m ist sie nur einen Meter breit.

Eine Akustik wie in einer Kathedrale. Von oben tropft es. Andächtig schreiten wir an den abgebrochenen Tropfsteinen vorbei, 20 m über uns wölbt sich eine alte Bogenbrücke, die die Schlucht überspannt. Danach führt uns ein alter gepflasterter Eselspfad den Berg hinauf, raus aus der Schlucht, Feigen, Walnüsse, Esskastanien bilden einen dichten Dschungel. An zwei Stellen wurden Müllsäcke einfach in die Schlucht geworfen, ich sehe ein altes Waschbecken und eine rostige Waschmaschine. Das ist verboten, aber die Behörden sind weit weg und die Schlucht ist lang, tief und sehr bewachsen. Eine gute Stunde marschieren wir auf der Piste. Kaum sind wir am Wagen, beginnt es zu regnen. So war das damals auch, und dann ging in Kalamata der Motor kaputt. Diesmal ist alles okay, unser rollendes Heim bringt uns ohne zu murren aus den Bergen hinaus über die besagte Kreuzung in Kalamata bis zu einem Strand 30 km südlich, wo wir zwischen Weidenblattakazien zu stehen kommen. Hier ist bereits Off-Season. Die Strandbar und die Schirme sind abgebaut, die Taverne ist geschlossen. Aber die Dusche funktioniert noch, und der selbst gekochte Tomaten – Linsensalat schmeckt gut.

Wow, tolle Tour 👏