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Wilpattu Safari

Es ist etwas kompliziert mit der Safari. Wir wollen nicht die übliche Rundtour, sondern am westlichen Eingang rein- und zum östlichen wieder rausfahren und so die Tour mit der Weiterreise verbinden. Shan, der vom Hotelmanager herbeigerufene Tourenchecker, lacht wissend, als Jo ihm seine ausgearbeitete Route zeigt. „Ja, so würde er die gerne anbieten, aber es geht nicht,“ sagt er, „es ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich.“ Schade. Aber er hat einen Vorschlag, der uns als Plan B taugt.
Um 5:45 holt er uns ab. Stockfinster. Hunde rangeln lautstark miteinander, ein paar Leute sind schon auf. Sitzen vor ihren Häusern, kehren Blätter weg, fahren Rad. Aus einer Moschee kommen viele weiss gekleidete Männer heraus. Zweihundert Meter weiter tönt Musik aus einer christlichen Kirche. Die Luft ist kühl und feucht. Kühl, das ist 23 Grad. Mit dem Pickup bringt Shan uns zum Bootshafen. Helfende Hände laden unser Gepäck ins „Biggest boat of Kalpitija“, wir werden dem Kapitän übergeben, der uns eine Stunde über die Lagune fährt.


Es wird langsam hell. Die aufgehende Sonne versteckt sich hinter Wolken. Fischer in kleinen Booten ziehen mit gleichmäßigen Bewegungen ihre Netze ein. Ein Krähenschwarm fliegt neben uns her, im Mangrovendickicht am Ufer einer kleinen Insel stehen hölzerne Stelzenhäuschen.

Spritzwasserdurchfeuchtet landen wir an einer Wiese an und werden an den Van Fahrer übergeben. Er wird uns zum Safari Jeep bringen. Beim Umsteigen kaufen wir an einem Kiosk, vor dem ein zahnloser Mann einen grossen Teigklumpen walkt, würzige Kichererbsen, Chilibällchen und süss gefüllte Pfannkuchen.

Der Fahrer wird auf uns warten, das Gepäck bleibt im Van, wir begeben uns in die Obhut des Tourguides und klettern auf sein Safari Pickup. Hoch oben auf der Ladefläche, ein Dach überm Kopf und ansonsten offen, ist der Fahrtwind kalt. Aber die Sonne steigt und wärmt bereits spürbar. Der westliche Wilpattu Eingang, Eluwankulama, ist bei der Überschwemmung im Dezember stark beschädigt worden und noch nicht lange wieder geöffnet. Die Fußgängerbrücke über den Fluss ist zerstört. Der Fahrweg verläuft auf dem Wehr, eine Furt durchs Wasser, Nervenkitzel für uns, Alltag für den Fahrer.

Schilder am Eingang

Ein kurzer Klostopp, ein Blick in das Visitor Center, ein kleiner Raum mit einer wilden Sammlung von Tierknochen, und dann geht’s los.


Vier Stunden lang werden wir auf Sandpisten durchgeschüttelt, pflügen  durch tiefe Pfützen, drehen die Köpfe suchend in alle Richtungen. Anfangs sind wir beeindruckt von vielen radschlagenden Pfauen, die mitten auf dem Weg ihren Balztanz aufführen und nur widerwillig Platz machen. Es sind so viele, dass der Anblick bald normal wird.

Pfau von vorn
Pfau von hinten

Grosse weiße Reiher, kleine vielbunte Schnellpicker, elegante Buntstörche stehen auf sumpfigen Wiesen herum. In einem Tümpel dümpelt ein Krokodil. Wir durchqueren weites Buschland, dann dichten niedrigen Wald mit verschlungenem Unterholz und kunstvollen versteinerten Ameisenbauten. Wilde Hühner (Ceylonhuhn, Nationalvogel der Insel) leben darin. Der Fahrer stoppt, wenn er ein Tier entdeckt, er hat ein gutes Auge. Er zeigt uns Papageien, die sich in einer Baumkrone paaren, einen Adler, eine große Eule, Affenfamilien in Baumwipfeln, ein riesiges Krokodil das reglos mit offenem Maul am Teich liegt, frische Leopardenspuren und einen dunklen Fleck am entfernten Waldrand, der sich durchs Fernglas als grasender Elefant entpuppt.

Leopardenpfotenabdrücke, immerhin
Der kann was, der Jeep
Buntstörche
Ameisenhaufen
Affen

Aber unser Tageshighlight entdecken wir selbst. Ein riesiger Elefant ganz nah am Weg. Tilman klopft aufs Fahrerhaus, das vereinbarte Zeichen für Anhalten. Elephant, elephant, rufen wir aufgeregt. Da sieht der Fahrer den Elefanten auch. „Don’t shout!“ weist er uns erschrocken an, „very dangerous.“ Und tatsächlich sieht das große dunkle Tier mit seinen riesigen Stoßzähnen und den aufgestellten Ohren bedrohlich aus. Der Elefant ist aufgeschreckt durch unser Rufen und kommt ein paar Schritte näher heran. Dann legt er die Ohren an, rupft Gras ab und steckt es sich ins Maul.  Der Fahrer entspannt sich.

Der Elefant heißt Wilson, berichtet er. Letztes Jahr habe er einen Jeep umgestoßen. Vor acht Tagen habe er ihn zuletzt gesehen, da sei er aggressiv gewesen. Heute sei er friedlich. Beim Weiterfahren erzählt er allen entgegenkommenden Kollegen von der Wilson Sichtung.
Einen Leoparden bekommen wir nicht zu Gesicht, auch keinen Lippenbären. Trotzdem sind wir zufrieden.

Die Wehrüberquerung ist auf dem Rückweg bereits Routine. Wir klettern wieder zu unserem Gepäck in den wartenden Van und lassen uns aussenrum über kleine Sträßchen zum östlichen Eingang Hunuwilgama bringen.

Menschen breiten frisch geernteten Reis und Mais zum Trocknen auf dem Teer aus, Fahrzeuge fahren vorsichtig daran vorbei.

An unserer Unterkunft werden wir bereits erwartet. Wieder tragen hilfreiche Hände unser Gepäck. Zwei einfache Zimmer mit Moskito Netzen über den Betten. Was gut ist, denn das Häuschen steht nah am See mitten im Wald und die Mücken haben grossen Appetit. Wir auch. Die Zimmerwirtin wird köstliche Curry Variationen für uns kochen.

Trittsteine

Vor dem Essen bleibt noch Zeit für einen Spaziergang zum Visitor Center. Da gibt es lehrreiche Schautafeln und grausige Tierföten in offenen, stinkenden Formalingläsern.
In den Park dürfen wir nicht hineinspazieren, ein Wächter weist uns ab. Das geht nur auf dem Pickup.
Am See, an dem man ein Stück entlang laufen kann, baden bekleidet ein paar Leute. Sie waschen sich im trüben Wasser. Fließendes Wasser aus der Leitung, Dusche, Badezimmer, nicht für alle Menschen ist das selbstverständlich. Ich weiß das, aber hier sehe ich es und bin mir meiner Privilegierung sehr bewusst. Freundlich lächelnd winken uns die Badenden zu.
Marlene lässt die Drohne fliegen.

Will nur spielen
Regenbaum am See
Badestelle
Reisfeld
Anattostrauch

Zurück an der Unterkunft füllen wir unsere Bäuche, was uns endgültig müde werden lässt.
Wir sind uns einig, die geplante Morning Tour nicht zu machen. Wir fühlen uns hinreichend durchgeschüttelt und tiersichtungssatt. Lieber schlafen wir aus bevor es weitergeht. Um neun Uhr fallen wir in die Betten.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Ilse

    Kann mir alles gut vorstellen.
    Durchgeschüttelt und dann ein Curry, großartig!

  2. Ilse

    Kann mir alles gut vorstellen.
    Durchgeschüttelt und dann ein Curry, großartig!

  3. Marlies

    Wieder eine spannende Reise und tolle Bilder

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