Die Hänge der Landschaft, durch die wir fahren, sind weiss getupft. Hier blüht die Zistrose. Ein niedriger Strauch mit seidigen, pergamentartig zerknitterten Blütenblättern. Die Blüten sind geruchlos, aber das ledrige, klebrige Blattwerk der Sträucher duftet – ja wie?
Warm, tief und ein bisschen nach Abenteuer in Sandalen.
Harzig, aber zart, leicht zitronig, auch nach Vanille und Honig, auf jeden Fall südlich sonnig. So übersetzt mein nach Analogien suchendes Hirn den Geruch, der an meinen Fingern klebt, die ich immer wieder zur Nase führe. Ich kann mich nicht satt riechen. Jetzt will ich unbedingt ein Parfum, das so riecht.
Später lese ich, wie das Harz, Labdanum genannt, traditionell gewonnen wurde:
Man ließ Ziegen zwischen den Büschen weiden. Anschließend kämmte man das in ihren Bärten hängen gebliebene Harz heraus, um es für allerlei Zwecke zu verwenden: für Düfte, Salben und zum Geister ausräuchern.

Nach der Fahrt über kleine Straßen durch weite, hügelige, blühende, von wilden Wolken am blauen Himmel überspannte Landschaft, wandern wir im Naturpark Cabaneros.



Ein Aussichtspunkt, alte Eichen, gelber Ginster, lila Lavendel, viel Wasser, ein gerölliger Weg – wir sind froh über unsere Wanderstecken – und Zistrosen, an manchen Stellen überkopfhoch, die Luft ist satt von diesem Harzgeruch.







Es gibt nur wenige Wege durch dieses Naturschutzgebiet, unserer ist hier weit und breit der einzige, Abweichen führt sofort in weglose Macchia.
13 Kilometer laufen wir strammen Schrittes und schwitzen trotz der kühlen Temperatur.
Immer wieder ballen sich Wolken dunkelgrau zusammen, verlieren aber gegen die Sonne, die durch Wolkenlöcher scheint und die Landschaft mit Gold übergießt. Erst auf den letzten Metern, die sich sehr lang hinziehen, erwischt uns ein heftiger Regenguss.
Zurück im Womo beschlagen die Scheiben von unserem Dampf.
In der Nähe ist ein Campingplatz mit überdachtem Pool, der am Abend noch genutzt werden darf. Das salzige Wasser ist stark gechlort, Kinder lärmen.

Das Schwimmen im warmen Wasser tut gut. Auf diesem, gestern voll belegten und jetzt sich komplett leerenden Platz- die Feiertage sind zu Ende – werden wir den Sonntag verbringen und unsere nassen Wanderklamotten raus, wieder rein und wieder raushängen, im Rhythmus der Regenschauer.

Schöne Bilder. Ich hab den Duft in der Nase!