Assomada hat samstags einen grossen Markt, sehr sehenswert, schreibt unser Reisebuch. Wir cruisen hin, es ist nicht weit von unserer Unterkunft im Tal der Hahnenschreie und Sterne. Im Mercado municipal gibt es Möbel. Kein Obst, Gemüse, lecker Mittagessen, nur Betten, Sessel und Sofas stehen in Reih und Glied unterm strahlend blauen Himmel und bleichen vor sich hin. Da wird die Info im Reisebuch wohl veraltet sein. Hungrig schlendern wir durch den belebten Ort. Vor der Kirche posiert eine Hochzeitsgesellschaft. Die Männer in schwarzen Anzügen und weißen Hemden, die Frauen in engen langen Glitzerkleidern mit tiefen Rückenausschnitten, an den Füßen 12 cm Stilettos. Ich entdecke ein Infohäuschen, frage nach dem berühmten Markt und bekomme die Lage beschrieben: Die Straße ganz runter, dann rechts. Wenige Minuten später stehen wir im Getümmel. Tote und lebende Hühner, zerlegte Fleischstücke, Berge von Fisch, Säcke voller Hülsenfrüchte, Kürbis, Zwiebeln, Tomaten, Papaja und allerlei mit Unbekanntes wird lautstark angeboten, die Halle ist fest in Frauenhand.




Ich will Tomaten kaufen. Die Marktfrau und ich verstehen uns nicht. 500 Gramm Tomaten bitte, diktiere ich dem Google Übersetzer und halte ihr das Ergebnis hin. Sie kann nicht lesen, ihre Gesten sind eindeutig. Eine andere Marktfrau eilt zu Hilfe. Drückt mir eine Tüte in die Hand, ich sammele Tomaten hinein, sie steckt noch zwei dazu. Das ist dann wohl die Menge für 200 Escudos. Nicht grammweise wird das Gemüse verkauft, sondern für 100 oder für 200 Escudos.
Es gibt eine Verpflegungsecke. Zwei Köchinnen geraten in Streit, welche darf uns bewirten, offenbar haben wir beiden signalisiert, dass wir nach dem Rundgang zum Essen kommen. Sie teilen sich uns, two, two. Sehr weise. Fisch und Reis und Gemüse, sehr köstlich, beide freuen sich über unseren Appetit.

Neben unserem Tisch läuft ein Musikvideo. Drei Mädchen tanzen davor. Unermüdlich wackeln sie mit ihren Hüften und lassen ihre perlenbesetzten Zöpfchen fliegen.

Eine Erwachsene tanzt mit. Ich lache sie an, da schnappt sie mich, und ich tanze mit. Ein großer Spaß für mich, für sie und für alle zuschauenden Marktfrauen.

Dann besuchen wir den berühmten Kapok Baum, den grössten und ältesten Baum der Insel.

Vor 500 Jahren wurde er gepflanzt. Die Äste haben Stacheln und der mächtige Stamm wird von Brettwurzeln gestützt. Der Baum blüht gerade. Die Blüten regnen herab.



Nebenan ertönt laut diese getriebene Musik, die hier so oft zu hören ist. Funana heissen Musikstil und Tanz. Vor der unabhängigkeit von Portugal war diese Musik verboten. Zu rebellisch, zu frei, zu erotisch erschien sie dem Regime. Wir wackeln jetzt am Kapok Baum mit unseren Hintern, es geht nicht anders, bei diesen Klängen ist still stehen nicht möglich.

Wieder interessante Fotos und Sätze, die anschaulich beschreiben, wie ihr euch in dieser ‚anderen Kultur‘ bewegt! Danke! 👍🙏