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Letzte Tage

Acht Tage verbrachten wir im Haus am See. Stille Tage. Nach dem Frühstück zogen wir uns  in unser klimatisiertes Zimmer zurück. Draußen stieg die Temperatur ab 10 Uhr rasant an. Die Luftfeuchtigkeit war so hoch, dass man meinte, Wasser zu atmen. Sie kondensierte an der Haut, mischte sich mit dem Schweiß, und rann an Rücken und Bauch hinab. Jedes Kleidungsstück war nach einer halben Stunde klatschnass. Erst wenn die Sonne im Verlauf des Tages weniger stach, brachen wir auf. Wir schlenderten durch die Siedlung zum  Meer, sahen den donnernden Wellen zu und erfreuten uns an den wunderschönen Sonnenuntergängen.

Ein besonderer Abend

Einen ganzen Nachmittag lagen wir im Schatten von Pandanusbäumen am Strand.  Das sind palmenartige gewundene Bäume mit Luftwurzeln, die auf der Insel an allen Küsten wachsen und dichte Wälder bilden.

Der Strandabschnitt gehört zu einer Unterkunft, man hatte dort aus Schwemmholz Sitzmöbel gebaut, so dass eine Strandgut- Skulpturenlandschaft entstanden war.

Die Nachbarinnen kochten Reis und Curry für die Gäste. Das Essen wurde als Buffet aufgebaut. Plötzlich fanden wir uns in einer internationalen Runde am großen Tisch wieder. Ein englisches Paar in unserem Alter, ein jüngeres Paar aus Israel – beide saßen dort fest und warteten auf Ersatzflüge – und zwei deutsche Jungs am Beginn einer längeren Reise zur Feier des Schulabschlusses. Es ergaben sich leicht und selbstverständlich gute Gespräche, Völkerverständigung, wie früher auf Reisen.

Der Engländer hatte Geburtstag. Seine Frau überraschte ihn mit vier Tänzerinnen, die im Sari, mit Trommelbegleitung und Feuerwerk im Hintergrund traditionellen, mit Discoelementen durchmischten, Kandydance aufführten. Für jedes Stück erschienen die Frauen in einem anderen Gewand. 

An einem Morgen paddelten wir bei Sonnenaufgang mit dem Kanu auf der Lagune bis zum Meer, entdeckten die im Dschungel versteckten hübschen Häuser und drehten erst um, als das Wasser so flach war, dass wir aufsassen.

Unsere Frühstücksterrasse
Mangroven vor Eisenbahnbrücke
Mündung

Wir ließen uns von Asha Kleidung nähen. Hosen und Hemden für Jo, ein Kleid und Blusen für Dagmar. Asha ernährt mit ihrem Schneiderhandwerk die Familie. Die älteste Tochter lebt seit zwei Jahren als Au-Pair in der Schweiz und wird dort nun studieren.

Wir besuchten einen Batikkünstler. Er zeigte uns seinen Garten, erklärte seine Techniken und wollte uns dann schöne Werke verkaufen, eines davon gefiel uns besonders gut – „Galaxie“ – kostete aber 500 Dollar, also zu viel. Aber wir erstanden ein paar schöne kleine Batiken.

Galaxie

Und wir durften einen Tropenregen erleben. Senkrecht und warm rauschte das Wasser herab. Wir bekamen eine Vorstellung von Monsun. Angenehm war die kühle und reine Luft nach dem Guss.

An einem Abend gerieten wir auf der Suche nach Abendessen aus Versehen  in ein Edelressort. 380€ pro Nacht zahlen die Gäste hier. Drei Kellner sind für einen Tisch zuständig. Wir fanden ihr bemühtes Dauergewische und Stuhlzurechtgerucke nervig und übergriffig. Das Essen war vergleichsweise teuer und bestand aus sehr übersichtlichen Portionen.

Ein paar Kilometer weiter nördlich liegt Hikkaduwa, ein Ort, in dem wir 1983 schon mal waren. Damals ein Hippieziel ist er heute fest in russischer Hand, mit grossen Hotels bis zur Wasserkante bebaut. Das vorgelagerte, begehbare Riff ist leider tot, der Sonnenuntergang immer noch wunderschön.

Mit der letzten Nacht in Negombo schlossen wir den Reisekreis. Wir schliefen im selben Hotel wie die erste Nacht und aßen im selben Lokal  wie am ersten Abend.

Jo kämpft mit Chilicrabs

Die beiden anderen Zimmer waren von drei Leuten aus Frankreich belegt, die ihre Reise gerade begannen. Sie waren ganz begeistert als sie heraushörten, wie lange wir schon miteinander durch die Welt reisen. „A shared love of travel creates a strong bond.“

Der Rückflug verlief problemlos. Das große Flugzeug von Dubai nach München war halbleer. Zu zweit hatten wir sieben Plätze, wir konnten die Füße hochlegen, sehr angenehm.

Die acht Stunden vergingen wie im Flug 😉 mit aktuellen Filmen, die die Emirates Airline an jedem Sitz zur Verfügung stellt, halbwegs gutem Essen, und Lesen.
Am Flughafen München betraten wir froh, hierher zu gehören, unser Heimatland.
Jana holte uns ab und brachte uns sicher nach Hause. Das war gut so, denn wir waren doch ziemlich müde.


Eine gute lange Reise ist zu Ende. Das Projekt „collecting memories“ hat ein neues Kapitel.

Wir spüren Verbundenheit mit dieser schönen, geplagten, widersprüchlichen, freundlichen, warmen Insel. 

Wir empfinden Dankbarkeit, tiefe Freude und auch Stolz, diese Reise (in unserem Alter) gemacht zu haben.

Was bleibt ist die beglückende Gewissheit, als Reisegruppe und als Familie verbunden und getragen zu sein.

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