Was man so braucht

Nach mehreren Wochen im Wohnmobil lebt man mit Bodendreck, sieht ihn nicht mehr. Ab und zu werden die Matten ausgeklopft, die Krümel rausgekehrt, fertig.

Das benutzte Geschirr wird gleich wieder verräumt. Fettiges wird mit Zewa abgewischt, bevor es mit kaltem Wasser ohne Spüli abgespült wird. Kaffeetassen und Weingläser werden nur kurz ausgeschwenkt und zurück in die Schublade gestellt. 14 Tage wird ein und dasselbe Trockentuch benutzt, bevor es gegen ein frisches ausgetauscht wird. Und das auch nur weil es irgendwie seltsam ist, dasselbe Tuch so lange zu nutzen. Mit Kleidung ist es auch so. Man zieht immer dasselbe an, man hat immer viel zu viel dabei, man wird zwei Drittel seiner Klamotten ungetragen wieder in den heimischen Schrank räumen. Staub wird abgeklopft, Verschwitztes durch Fluss- oder Leitungswasser gezogen.So kommt frau klar mit drei T-Shirts, drei Unterhosen, einem Kleid, einer Wander-, und einer Flatterhose. An den Füßen Badeschlappen, Crocs oder Wanderschuhe dazu ein paar „für alle Fälle“ Utensilien wie Bikini, Sonnenhut, Regenjacke, Strickjacke. Trotzdem habe ich immer eine drei-Jahreszeiten- Ausrüstung dabei. Vielleicht ist es kühl in den Bergen? Besser noch die Fleecejacke und die lange Unterhose einpacken. Vielleicht will man mal fein essen gehen – (will man nie, und wenn, dann tut man es in den Klamotten, die man eben gerade an hat) – also doch eine gute Hose und eine Bluse. So füllt sich unser viereinhalb Tonner mit Optionen, die wir am Ende dann nicht oder wenig benutzt haben werden. Viel Platz viel Kram.

Brauchen wir das alles?
Es geht immer mit weniger, aber es ist auch schön, den Frisbee, oder die Badmintonschläger rauszuholen, wenn mal ein passendes Gelände da ist / ein passender Wind weht. So viele Vorräte an Bord zu haben, dass man immer etwas kochen kann, ohne einen Laden finden zu müssen. Wahlweise Scrabble, Rummikub, oder Backgammon spielen zu können wenn nicht gerade Fußball im Fernsehen wichtiger, oder der Krimi so spannend ist, dass man ihn nicht weglegen mag.
Es ist schön eine kleine komplette Wohnung durch die Welt zu fahren, und so stets die vertraute Umgebung in der Fremde zu haben.
Unser großes Wohnmobil ist hier in Albanien ungewöhnlich. Die meisten Leute sind mit VW Bussen, kleinen Vans oder Allradfahrzeugen mit Dachzelt unterwegs. Die tun sich auf den engen Straßen leichter. Würde ich fahren, hätte unser Gefährt schon kein Hinterteil mehr. Aber mein Gefährte hat Fernfahrerblut. Entspannt und souverän steuert er die 7,20 m um jede enge Kurve, quetscht sich an jedem entgegen kommenden  Fahrzeug vorbei, während ich die Augen zu mache und die Luft anhalte. Das habe ich schon anderswo erwähnt, aber es darf immer mal wieder gesagt werden.

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