Schon zweimal waren wir hier. Beim ersten Mal war ich schwanger, 1989 war das. Das zweite Mal war in den Pfingstferien 2003, im ersten sehr heißen Juni am Anfang der Serie vieler heißer Frühsommer.
Ich erinnere mich nur noch an Hitze. Wir campten unter einer Pinie, in der Zikaden den ganzen Tag furchtbar laut schrien. Wir liefen damals entnervt um den Baum herum, versuchten erfolglos, die Viecher mit Stockschlägen an den Stamm zum Schweigen zu bringen.
Wir verbrachten die Tage betäubt von Hitze.
Nie wieder will ich ins Gargano, das hatte ich mir damals geschworen.
Und jetzt sind wir doch hier.
Die erste Nacht verbringen wir auf einem Olivenhof inmitten voll hängender Olivenbäume an einem kleinen Teich. Vor der Abreise kaufen wir zwei Kanister Öl, es ist leicht bitter und kratzt im Hals, so wie gutes Öl sein muss.

Dann wollen wir auf dem Campingplatz Oasi, in einer langen Sandbucht gelegen, Ruhe finden. Der Piaggia Lungo ist ein Surfer Strand, es ist immer windig.



Wir schwimmen, gehen spazieren und schauen den Surfern zu.
Wir radeln nach Vieste, laufen mit vielen anderen Touristen durch die hübsche ockerfarbene Stadt.




Es gibt Campingplätze, da grüßt man sich, da plaudert man, wenn man nebeneinander beim Abwasch steht, und es gibt Campingplätze, da ignoriert man sich, man grüßt sich nicht, spricht kein Wort miteinander. Oasi gehört zur letzten Kategorie. Es gefällt uns nicht. Nach drei Nächten ziehen wir doch weiter.
Wir kreuzen mit dem Auto durch den Forestra Umbra, einen Urwald, der die Kuppe des Gargano-Nationalparks bedeckt. Der dichte Buchenwald färbt das Licht grün. An der höchsten Stelle ist ein großer Picknickplatz mit Trattoria, alles ist voll geparkt. Es ist Sonntag, man picknickt mit der ganzen Grossfamilie.

Unser Weg führt weiter durch den Wald hindurch Richtung Mattinata an der südlichen Ostküste des Gargano. Dort haben wir einen Camper Stellplatz ausgeschaut, der gut bewertet ist. Zunächst stoppen wir in Monte Sant’Angelo. Ein Weltkulturerbe erwartet uns, eine uralte Basilika n einer Felsgrotte.
Allen, die die Grotte betreten, sollen sämtliche Sünden vergeben werden.
Im Jahr 492 ist hier einem Hirten der Erzengel Michael erschienen. Die Verehrung dieses Heiligen soll hier ihren Ausgangspunkt haben.
San Michele auf dem Monte Sant’Angelo ist einer der ältesten Pilgerorte des Abendlandes.
Heute steht eine Kirche auf der Felsgrotte und die ganze Stadt lebt als Wallfahrtsort von den vielen Pilgern, die diese Basilika besuchen.
Mindestens 50 Reisebusse stehen auf dem Parkplatz auf dem auch wir parken.
In den Gassen verkaufen schwarze Männer Lederwaren, werden Maronen gegrillt, und Padre Pio (Regionalheiliger) Figuren feilgeboten.
Man strömt zum Eingang der Basilika.


Sicherheitsleute sorgen für reibungslosen Ablauf. Sie lassen nur Menschen hinein, wenn welche herauskommen. Geduldig stehen wir in der Schlange auf der langen Treppe nach unten. Ein Screen am Treppenabsatz überträgt das Geschehen in der Grotte.


Wir haben Glück, wie wir später merken, und schaffen es bis ganz hinunter. Dort ist ein Kirchensaal mit Bänken, Altar und Kreuz. Priester und Nonnen im Ornat stehen wartend an den Wänden, die Sitzreihen sind voll mit stillen Menschen. Nur ein behindertes Kind gibt Laute von sich. Eine Messe beginnt. Der Chor der Stimmen der Betenden erfüllt das grosse Gewölbe.

Als wir wieder hinaufsteigen, stehen zahllose Betende auf der Treppe, die unten nicht mehr reinpassten.
Wieder einmal beneide ich Menschen um ihren Glauben.
Wir schlendern noch ein wenig durch den Ort.


Unsere Fahrt geht weiter, eine Serpentinen Straße schlängelt sich hinunter nach Mattinata.
Unten am Camper Stellplatz werden wir freundlich empfangen, es gibt Trinkwasser, eine Bar mit Terrasse, und man grüsst sich.

Das Meer wird schnell tief, das Wasser brennt kühl auf der Haut, die Kieselsteine prickeln durch die Fusssohlen bis in die Leisten hoch. Nach dem Schwimmen liegen wir auf den warmen Steinen und suchen mit geschlossenen Augen mit Fingern und Mündern den rundesten Stein.