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Kao Sok Nationalpark – der Dschungel

Am Abend nach unserer Ankunft im Kao Sok Village schlendern wie die Straße hoch zum Eingang des Nationalparks. Allein darf man nur am Tag hinein, für die night Safari bucht man einen Guide.
Ich stehe eine Weile am Kassenhäuschen, studiere die Hinweisschilder, lausche dem nächtlichen Urwaldsound und freue mich auf morgen Abend.

Erstmal liegt der Tag vor uns. Im Hotel gibt’s nur Continental Breakfast, das wollen wir nicht. Wir holen uns einen Kaffee und setzen uns damit in den Pancake Stand.

Der Pfannkuchenbäcker hat Ähnlichkeit mit Nelson Mandela. Er staunt, wie viele Pancakes wir verdrücken.

Dann erobern wir den Dschungel.
Wir sind nicht allein auf dem breiten, viel begangenen Weg, ist es doch eine komfortable und sichere Möglichkeit, etwas Dschungelfeeling zu bekommen.

So viele Vogelstimmen. Hoch oben in den Bäumen turnt eine Affenfamilie.
Die riesigen Bambusstämme reiben knarzend aneinander, der Wind rauscht im dichten Grün, das die brennende Sonne kaum durchlässt.

Nach ungefähr einer Stunde kommt man an den Fluss. Grosse rundgeschliffene Felsen liegen im Flussbett, auf denen man sitzen, liegen und klettern kann. Dazwischen braust das Wasser und füllt flachere und tiefere Gumpen. Der Anblick erinnert korsische Flüsse.
Klamotten aus und hinein ins kühle Nass!

Drohnenflugbilder

Kühl? Was ist hier kühl? Dieser Fluss nicht.
Ohne auch nur im geringsten zu frösteln steige ich hinein, taste mich vorsichtig voran. Ist es glitschig? Spitzig? Nein. Glatte Steine mit Grip, Sand, nichts rutscht oder sticht.
Auf einem Ast, unter dem ich hindurchkrabbele, hockt eine fette schwarze Kröte, den schrumpeligen Kopf hat sie auf die Vorderbeine gelegt. Sie sieht einer Nachbarin aus meiner Kindheit ähnlich, die den Tag am offenen Fenster verbrachte, die Unterarme auf ein  Sofakissen gestützt, das Treiben auf der Straße fest im Blick.
Sie schaute so grimmig wie jetzt die Kröte, die sich ein wenig hochstemmt und bestimmt gleich schimpft, was wir denn da zu suchen hätten. 

Sie springt mich nicht an und ich gleite in den tiefen warmen Gumpen, der gross genug für ein paar Schwimmzüge ist.
Ich lege mich flach aufs Wasser, lasse mich treiben und winde mich zusammen mit Tilman, der bei allem Spaß genau aufpasst, dass ich heil bleibe, mit der Strömung die Felsen entlang. Grossartig! Mein Moment of Excellence.

In der ausgiebigen Pause in der Hütte regnet es,  kurz und heftig.

Blick vom Zimmerbalkon

Nach einem schnellen  Abendessen brechen wir zur Night Safari auf.

Unser Guide ist ein kleiner energischer Mann namens King. Er weist uns in strengem Ton in die Regeln ein, ich möchte salutieren.

Nichts anfassen, nicht vom Weg abweichen, immer hinter ihm laufen, still sein.
Er verteilt Lampen, die wir nicht aufsetzen, sondern in der Hand halten sollen, damit uns die Insekten nicht ins Gesicht fliegen, ein guter Hinweis.
Wir sind sehr still, aber leider sind noch andere Gruppen unterwegs, die laut reden und lachen. King schnalzt missbilligend mit der Zunge, tztztz.
Die starken Lampen der Guides zerschneiden wie Laserschwerte die Dunkelheit.
Ein paar Mal sind wir ganz alleine. Da machen wir alle die Lampen aus. Es ist stockfinster, es zischt und zirpt und raschelt. Senkrecht über uns steht der Orion.

King leuchtet in die Bäume, sucht Schlangen. Er findet zwei, die zusammengeringelt auf Ästen liegen: Not sleeping, hunting! Die mit den pfeilförmigen Köpfen seien giftig.

Er stöbert Skorpione vor ihren Schlupflöchern auf und zeigt uns jede Menge Spinnen in allen Größen. Wie er die entdeckt? Durch die Augen, die das Licht der Taschenlampe reflektieren.

Stabheuschrecke
Schwarzer Skorpion

Einmal bleibt er lauschend stehen, es kracht im Gebüsch. „May be wild elefants.“ Erst kürzlich seien Elefanten gesichtet worden. Er zeigt uns Fußspuren am Hang. Elefanten können gefährlich sein, wenn sie sich bedroht fühlen. Falls uns einer begegnet, sollen wir langsam weggehen.
Jedem entgegenkommenden Guide erzählt er vom Krachen im Busch. Als wir auf dem Rückweg sind, stehen Ranger an einem Pickup. Bauern hätten angerufen und Elefanten in ihrer Palmölplantage gemeldet. So eine Plantage ist für die Elefanten ein all-you-can-eat Buffet. Entsprechend unbeliebt sind die Tiere bei den Bauern.

„You are lucky,“ ruft King, „come, come!“ Und flitzt auf einen Baum zu. In zwei Metern Höhe klebt eine handtellergroße, haarige Tarantel am Baumstamm.

Und dann sind wir schon wieder raus aus dem Dschungel.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. charlottgreen

    Toll!

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