Tag 1
Fahrt nach Winterberg im Sauerland. Viel Stau unterwegs und also eine anstrengende Fahrt. In Winterberg wird hungrig Döner bestellt bei und zubereitet von zwei freundlichen Indern in einer überhitzten Bude am Ende einer durchaus gefüllten Flaniermeile. Die Zeit bis zur Endabfertigung und Auslieferung des Fleischgebäcks lässt sich trefflich nutzen: unbewegt gehe man gehe der Frage nach, warum das Flanieren wohl in Meilen gemessen wird? – Das Menü ist schneller fertig als die Antwort, es wiegt schwer in der überflüssigen Tüte. Und die Tüte ist nur der Anfang. Denn am Parkplatz oberhalb der Ruhrquelle wird gespeist, naja eher gegessen, genau betrachtet: Der Tüteninhalt wird zum Mageninhalt. Und schon liegt ein Döner so schwer im Magen wie zwei Leberkässemmeln, und wer isst schon zwei. Mann fühlt sich trächtig und trachtet nach Erleichterung. Laut werden daher die Rufe nach Schnaps und Pantoprazol. Unerhört, diese Rufe. Otti Fischer hatte Recht, als er sagte: Schwer ist leicht was.
Tag 2
Der Tag fängt früh an, oberhalb der Ruhrquelle, unterhalb des Ruhrkopfes, im tiefsten und höchsten Sauerland. Künftiges Ruhrwasser poltert aufs Dach.
Iwie muss man hier ja auch die Ruhr ans laufen bzw fließen kriegen. Insofern eigentlich erwartbar, ja zwingend logisch, daß es hier regnet. Wie könnten sonst in Duisburg so viele Kähne fahren. Drum: hier regnet’s nicht, nein: Es schifft! An Radeln ist schon zu denken, aber mehr auch nicht. Die Frau erwacht unfroh und nur kurz, um mitzuteilen, dass sie bei diesem Wetter keinen Schritt Radeln werde. Wie auch. Schön, wir sind uns einig. Und schon ist sie wieder weg, im hoffentlich trockenen Traumreich. Zurück bleibt der Chronist, der heute ganz OK bestimmt nichts essen wird, siehe oben.




Wider Erwarten aß der Chronist am Abend dann doch noch was. Und wider Erwarten radelten sie doch noch los. Und es blieb den ganzen Tag über trocken. Erst als sie in Meschede am Wohnmobil angekommen waren, plästerte es los. Doch der Reihe nach: erstmal zur Ruhr Quelle spaziert, eine wirklich überschaubare Quelle mitten im sumpfigen Wald. In der Nähe ein paar Hütten die uns wissenswertes über Holz vermitteln. Dann nach Winterberg, dort die Räder am Bahnhof abgesperrt und mit dem Womo nach Meschede. Dann mit dem Zug zurück nach Winterberg, die Räder waren noch da, und los geht die Fahrt nach Duisburg, zunächst aber tatsächlich wieder zur Ruhrquelle und dann im weiten Tal entlang am schmalen Bach abwärts auf schönen Forstwegen es rollt gut dahin. Abwechslungsreich, ländlich, manchmal eher selten parallel zur viel befahrenen Bundesstraße. Viel Forstwirtschaft, einige Baumschulen, jede Menge künftige Weihnachtsbäume. Einige andere Radler kommen entgegen oder fahren mit uns bergab, die meisten fahren E-Bikes. Erstaunlich schnell schwillt der Bach an und wird zum schönen Fluss, der Radweg immer nah dran. Viele Häuser mit fachwerk, schwarze Balken weiß gefüllt. Und überall sieht es ein wenig gestrig aus. Pause an einem ehemaligen Schieferbergwerk, hier wurde tatsächlich Schiefer im Untertagebau abgebaut. Oberhalb sieht man die höchste Brücke Nordrhein-Westfalens, gebaut mit Stahlkonstruktionen aus Niederbayern.





In Meschede steht das Womo trocken unter einer Straßenbrücke, nebenan am Fluss eine Hütte, die von seltsamen trinkfreudigen Menschen besetzt ist. Nach dem oben erwähnten Guss schlendern wir noch durch Meschede, aber warum nur? Sehr trostlos das, viele Geschäfte in bester Lage stehen leer. Es braucht neue Konzepte für Innenstädte. Jenseits von Shopping Malls. Abends fahren wir zu einem Bergbaumuseum in Ramsbeck an der Valme. Dort kann man gut stehen direkt am Flüsschen. Der Parkplatz ist voll, mit Autos von weit her, und als am späteren Abend stellt sich heraus, daß im Stollen ein Bergwerksdinner stattgefunden hatte. Ist wohl was ganz besonderes, auf Monate hin ausgebucht.
Tag 3 Morgens besichtigen wir die alten Bergwerksgebäude, beeindruckend die Waschkaue und mehrere große flache fahrbare Untertagemaschinen, und das Büro vom Direktor, echt Sechziger.
Dann von Meschede nach Wickede geradelt, die Ruht wächst, nein schwillt an. Zurück mit dem Zug, gar nicht so einfach, stehen wir doch am falschen Bahnsteig und sehen unseren geplanten Zug gegenüber davon fahren, halbe Stunde extra. Trotzdem dan noch mit dem Womo nach Wickede, stehen dort schön an der Ruhr.
Tag 4 Morgens kommt die Polizei vorbei, fragt, ob alles ok ist und wir zufrieden sind mit dem Stellplatz. Er stellt sein Auto ab und plaudert drauflos. – Heute wird es spannend, wir radeln von Wickede nach Hagen, meine Geburtsstadt. Überwiegens Radwege, selten mal Straße, wenn dann nur kurz. Es geht am Hensteysee entlang, dort ist ein Pumpspeicherwerk, vom Ardey“gebirge“ oberhalb.. Ganz oben an den dicken Röhren steht in große Buchstaben RWE. Dies Schriftzeichen konnte ich vom Balkon meiner Großeltern aus sehen, und jetzt aus der Nähe. Also nach Hagen, Ortsteil Boelerheide, Overbergstrasse, ich finde die Häuser beider Großeltern, natürlich bis zur Unkenntlichkeit saniert, ohne jede Zauber. Immerhin gibts noch einen Hinterhof, erkennbar sind die Reste einer alten Teppichstange. Im EG geht ein Fenster auf, sie fragt, ob sie helfen könne, ich sprudle los von Omma und Oppa, sie scheint damit etwas überfordert, biete mir aber ihre Wohnung an, sie ziehe nämlich aus, – ich lehne dankend ab und radle von dannen, grundlos enttäuscht, – was oder wen haatte ich denn erwartet? Es geht runter zum Bahnhof, über eine ehemalige Müllkippe, heute ein schöner Park. Die Innenstadt von Hagen ist desolat, verwahrlost, dreckig, schrill bunt und Multikulti, auch der Bahnhof selbst ist bös beinander. Zurück nach Wickede, dort hat das Schwimmbad noch auf, wir ziehen ein paar Bahnen und duschen ausgiebig, fahren dann noch weiter, suchen vergeblich ein Gasthaus zum Abendessen, kommen letzlich vorm Freilandmuseum in Hagen zu stehen, und kochen uns selbst was.

Tag 5 Von Hagen nach Hattingen




Tag 6 Von Hattingen nach Hattingen Eine Radtour ab nachmittags, vorher muss die Frau arbeiten, Videokonferenz. Ich staune währenddessen über die Schönheit Hattingens, jetzt echt, ein schöner Ort, Altstadt mit Fachwerk, enge Gässchen, idyllisch geradezu, und so noch nicht gesehen in der Gegend.Empfehlung! Dann jedenfalls eine Radtour, auf ehemaliger Bahntrasse ins Bergische Land, Sprockhövel, und auf der nächsten Trasse zurück zur Ruhr. In Witten in Cafe do Sol gabs lecker Kaffee und Kuchen, dann die Ruhr entlang, eine uralte Ruine, mehrere Seen. Dann die große Enttäuschung: ein schönes Gasthaus lädt zum Schnitzel der Woche (mit SahnePfefferSauce), und als wir sitzen, sagt der Kellner, daß die Küche seit 10 Minuten geschlossen hat, er könne da nichts machen. Eine schöne Übung das, sie gelingt mir nur bedingt…Aber er lebt noch, der Kellner. So gab es denn Carbonara vom heimischen Herd, auch lecker.


Tag 7 Von Hattingen nach Duisburg und zurück. Morgens nieselt es, es ist kühl. Der Nachbar ist aus Duisburg, er meint das sei eine schwierige Stadt, viele Ausländer, Banden, Rotlicht. Und die Stahlkocher simulieren Sonnenuntergänge, roter Himmel. Und im Vergleich sei Nürnberg ja sicher harmlos. Da hat er wohl recht. Mittags rollen wir los.
Tag 8 Hattingen Stadt dann Ardeyhöhe oberhalb Witten
Tag 9 nach Dortmund, auf der Suche nach Antipasti. Friedhof. Grillen bei Jürgen
Tag 10 von Dortmund nach Unna, Museum für Lichtkunst, Schiffshebewerk. Wanderparkplatz „Mutter Wehner“
Tag 11 Radtour rund um den Haltern See
Tag 12 Zu Wolfgang und Marlies, nachmittags Zeche Zollern
Tag 13 Daggi wird heute dienstlich, im Gesundheitsamt Essen. Ich bringe sie hin. Dann gibt’s eine Kiste Brinkhoff, lecker BVB Pils. Dann lass ich dir Bremsen vom Womo von Daggis Bruder (TÜV Bochum) beurteilen, (die quietschen immer wieder), er sagt: alles OK. Gut so. Dann zum Baldeneysee. Als ich an der Promenade sitze, kommt ein städtischer workrun vorbei, ein Lauf um den See vieler Firmen, alle in entsprechenden Firmenshirts mit motivierenden Aufdrucken, sowas wie „lebensmutig, selbstbestimmt, stark RWE.“ Fehlen nur die bunten Schraubenzieher. Es sind Tausende von Läufern, die mich letztlich vertreiben. Abends dann in Kneipe an der Fressmeile der Stadt, und nachts dann noch lau draußen vorm Womo.

Tag 14 ich schlendere durch die Stadt Essen. Der Stadtpark hat schöne alte Bäume. Im Essener Dom hält Marie Agnes Strack zimmermann demnächst einen Vortrag über die christliche Botschaft in kriegerischen Zeiten, dass man diese kriegstreiberin überhaupt in die Kirche lässt, ist bedenklich. In der fußgängerzone fährt das ordnungsamt vor, in Uniform mit handschellen, drei Menschen befragen einen älteren wohl spanischen Straßenmusiker der Ihnen sofort was vorsingt (o Sole Mio) doch sie wollen lieber seine Papiere sehen und vertreiben ihn dann, warum auch immer, wahrscheinlich hat er die öffentliche Ordnung gestört.



Bekannterweise halten Hochgebirge Wolken auf.
Das wird dem Sauerländer schmeicheln. Hochgebirge.
Hmm.
Verglichen mit Duisburg durchaus.
Aus Duisburg betrachtet (33m ü. M.) durchaus.
Ooh das ließt sich witzig 😄 schön, dass ihr weiter schreibt!