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Courant d’Huchet: am Fluss entlang durch den Urwald

Der Fluss Huchet fließt vom See Leon zum Atlantik durch ein Naturschutzgebiet. Auf einer 16 Kilometer Rundtour kann man ihn erkunden. Der Fluss, ein paar Dünen, Sumpf und Wald, kaum Steigungen. „wir sind so mittelfit, das wird gehen“, sagten wir uns – und zogen, proviantbepackt mit Wanderstecken und bester Laune, los.

Am Strand und am Fluss vergnügten sich bereits einige Familien. Ein Hund hielt uns für gefährlich und hätte fast meinen Wanderstock übergezogen bekommen. Ich spürte schon seine nasse Schnauze an meiner Wade, als er endlich den Rufen seines Herrchens folgte und abdrehte.

Strahlendblau wölbte sich der Himmel über der goldgelben Düne. Der Huchet glänzte in einem braunblauen Farbton, der je nach Lichteinfall wie Kaffee oder Himmel aussah.

An manchen Stellen war er zugewachsen wie ein Mangrovenwald,  dann wieder frei dahin fließend, das Ufer schwemmholzgesäumt.

Grüne schattige Tunnel aus Erdbeerbäumen verschluckten uns. Wir schritten am Korkeichen vorbei, zwischen hohen Kiefern mit lichtem Farnbewuchs am Boden dahin. Auch hier muss es mal gebrannt haben, aus trockenem Brombeergestrüpp ragten  bleiche Baumgerippe. Jetzt wuchs überall gelb blühender duftender Ginster und bodendeckende Zistrosen.

In einer Holzhütte verspeisten wir unsere Brote und schauten durch Sehschlitze auf einen stillen, seerosenbedeckten See, dessen Oberfläche sich im Wind kräuselte. Eine einsame Ente schwamm herum, die anderen Vögel waren wohl ausgeflogen. Ob Monet hier gemalt hat?

Ein Schild wies darauf hin, dass der Rundweg gesperrt sei, man könne nur hin und zurück laufen. Die gesperrte Stelle kam uns harmlos vor. Wir durchstiegen die Absperrung. Der Weg war völlig in Ordnung, bis auf einen kleinen abgerutschten Hang, dessen Querung etwas Mut verlangte.
Riesige Zypressen standen Spalier, kein Mensch war zu sehen oder zu hören.


Die Brücke über den Fluss war ebenfalls abgesperrt. Wieder erschloss sich uns der Grund nicht, sie wirkte stabil und intakt. Auch diesmal ignorierten wie das Gitter. Der Rückweg auf der anderen Flußseite war beschwerlich, weil tiefsandig, ich konnte den sich anbahnenden Muskelkater schon spüren.
An einer dicken, schief stehenden, 400 Jahre alten Korkeiche rasteten wir noch einmal. Der Hunger war groß. „Du hast ja noch die Kekse im Rucksack!“ sagte ich.
Hatte Jo nicht. Die lagen nämlich sicher und unberührt im Wohnmobil. Da musste ich ein bisschen jammern und Jo bot an, mich huckepack zu nehmen. Das Lachen, der Gesang der Nachtigall und die Magie des Ortes halfen.

Auf der letzten Etappe maulten meine untrainierten Muskeln vor sich hin. Die Übersteigung der Stranddüne kam mir wie ein Gipfelsturm vor. Es kann so schön sein, die Schuhe auszuziehen und sich in den Liegestuhl sinken zu lassen!

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