In der kargen, bergumarmten Stein-Macchia steht ein sauber gemauertes Häuschen, geschlossen. Davor zwei verblasste unverständliche Infotafeln. Oberhalb ein Schattenspender der Pavillon mit zwei Holzbänken, Blick aufs spiegelglatte Meer, das erstaunlich viele grosse Schiffe durch-Pflügen. Unten ist ein winziger Sandstrand, an dem wir am nächsten Morgen nackt baden werden, und der Petrified Forest. Vor 3Mio Jahren wuchs hier ein subtropischer Wald. Dann kam das Meer, überzog die Stämme mit Sand und Kalk, Muscheln lagerten sich an. Das Holz versteinerte. Heute steht alles wieder trocken, man klettert zwischen bizarren Felsformationen herum, hier und da sind steinerne Holzfasern und Jahresringe zu erkennen, unter den Füßen gluckert das Meer. Die geplante Tour zum berüchtigten Kap, manchmal schlagen die Wellen meterhoch gegen die Klippe, breche ich ab, der Weg ist mir zu steil, zu rutschig zum Radeln, Schieben ist keine Option, zu weit, zu heiß ist es. Jo fährt allein weiter, ich beobachte mit mulmigem Bauch, wie er in der Ferne sein Rad abstellt und die Steilklippe zu Fuß in Angriff nimmt. Ich fotografiere Meerzwiebeln vor Sonnenuntergang. Ein Hoch auf die Flora App. Meerzwiebeln sind nicht essbare raffinierte Gewächse. Ihre Blätter kommen im Winter, wenn es regnet. Die Sommer-Trockenheit überstehen sie in der Erde, drei Kilo schwere Knollen, aus denen sich im Spätsommer spargelartige Stängel empor schieben, an der Spitze kleine weisse wachsartige und zart duftende Blüten. Jo kehrt heil zurück. Wir essen griechischen Brotsalat, Drako, fein geschnittene Tomaten auf mehrfach gebackenen knusprigen Gerstenbrot, obendrauf jede Menge Olivenöl, Kapern und Schafskäse. Dazu die kleinen lila Auberginen, die man an den Gemüse Ständen am Strassenrand fast umsonst bekommt: halbiert und gebraten, simpel und köstlich. In der tiefdunklen Nacht des Kaps genießen wir einen funkelnden Sternenhimmel. Was sind wir klein, wir Menschen.

