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Carmona

Ich öffne die Tür des Wohnmobils und schaue auf das ockerfarbene, nach Cordoba ausgerichtete Stadttor der Stadt Carmona. Uralt ist es, und Teil der römischen  Stadtmauer. Es ist eingebettet zwischen Steilwänden, die aus sandhaltigem Kalkstein bestehen und voller Muscheln sind, weil vor Millionen Jahren hier ein Meer gegen diese Klippe brandete.

Heute breitet sich zu Füßen des Carmonahügels eine weite Felderlandschaft aus, die wir gestern durchquert haben. Ein großer Teil der Felder besteht aus Solaranlagen, so  riesig, wie ich sie noch nie gesehen habe.

Ich höre Hähne um die Wette krähen, Hunde bellen, einen Esel schreien, Vögel zwitschern und meinen Mann husten. Direkt vor mir blüht allerlei Kraut: weiß die Kronen-Wucherblume, lila der wegerichblättrige Natternkopf, gelb der gelbe Bertram, Mäusegerste und verschiedene Disteln und Gräser.

Ein alter Mann führt seinen kleinen Hund an der Leine spazieren und pinkelt ins Gebüsch.
Mein Kaffee schmeckt nach Erdbeeren und weißer Schokolade.
Ich rieche Schafdung.

Später laufen wir durch mit Kieseln gepflasterte Gassen an weiss gekalkten Hauswänden entlang. Einige Türen stehen offen und erlauben den Blick in den Windfang. So schöne Hauseingänge!


Jede Menge Kirchen.

In Dachrinnen wachsen Gräser und Blumen. Im Innenhof des Clara-Klosters langweilt sich eine Katze.

Auf dem großen, zentralen Platz sitzen wir lange und beobachten das morgendliche Treiben. Die Kneipen sind gut besucht, alte Leute palavern auf Bänken, Kinder radeln im Kreis, eine Kirchturmglocke schlägt blechern die Stunde, die Stimmen der Menschen bilden einen summenden Chor, der wie Meditationsmusik wirkt. Auf diesem Platz führen alle Wege der kleinen Stadt zusammen. Wir sitzen hier vier Mal an diesem Tag.

Am südlichen Ende der Altstadt liegt eine römische Nekropole. Bauvorhaben sind risikoreich in diesen alten Städten. Man schachtet aus fürs Fundament und leider findet man ein zweitausend Jahre altes Grab. Das war’s dann mit dem Bau. In Carmona hat man über tausend Gräber freigelegt, Löcher im Fels sind das, aber von Menschen hineingepickelt, um Tote darin zu bestatten. In eine der Grabkammern kann man mit Hilfe einer Aluleiter aus dem Baumarkt hinein- und auch wieder hinaussteigen.

Am Parador, eine maurische Festung aus dem 14. JH, in der heute ein schickes Hotel untergebracht ist, pflücke ich Orangen. Die sind gar nicht so gut, wie sie aussehen. Sauer sind sie. Aber der Duft der Schalen klebt noch lange an meinen Fingern.

Zum Tagesabschluss kehren wir in einer Tapas Bar ein, wo wir, am Tresen sitzend, mit Schinken belegte gegrillte Artischocken, frittierten Bakalau und geschmortes Rindfleisch in würziger Soße verspeisen.

Alles sehr lecker.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Marlies

    Ich sitze mit euch auf dem Platz und radle durch die Landschaft, danke für die Reise.

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