Im lichten Kiefern- Birken Wald parken viele Wohnmobile. Man steht auf Sandboden und bestöhnt kollektiv die schwüle Hitze. Mit den Besitzern eines fast baugleichen Wohnmobils tauschen wir Erfahrungen und Lifehacks aus. Die Männer überbieten sich in ihren Basteleien und die Frauen sind des Lobes voll. Die Begeisterung des Nachbarn für sein T-Shirt mit dem Aufdruck „normale Opas spielen Bingo, coole Opas fahren Wohnmobil“ teile ich dann doch nicht. Hermann Löns, es blüht die Heide…
Kein Lüftchen regt sich. In der Ferne blöken Schafe, in der Nähe blökt der Bratwurstgriller: „Heidschnuckenwurst ist feddich“. Ausser Grillwurst verkauft er auch Heidehonig, Porzellan mit Erikasträusschen drauf und Schaffelle. Aus der Heide und aus Berchtesgaden. Am späten Nachmittag fällt die Temperatur auf 33 Grad. Wir raffen uns zu einem Spaziergang auf. Man tritt aus dem Wald in die blühende Heidelandschaft. Ein leuchtend blauer Himmel wölbt sich weiß getupft über lila Hügeln, auf denen dunkelgrün stachelige Wacholderbüsche und hellgrüne kleine Birken wachsen.



Ein stattlicher Bauernhof mit Ziegelwänden und Roggen Reetdach wird von hohen Hofeichen vor Sonne und Wind geschützt. Hier gibt’s erst seit dreißig Jahren Strom, erzählt eine Schautafel. Eine grosse Holzscheune beherbergt Schafe, die man hört und riecht. Sie werden am Abend in den Stall gesperrt, der 1,70 hohe Holzzaun um den Pferch würde den Wolf nicht abhalten, erzählt eine alte Dame, die ihr hechelndes Hündchen hinter sich her zieht.
Auf einer Bank sitzt es sich fein. Hier hat einst ein Landschaftsmaler die Farben eingefangen. An einer Schautafel sind seine Werke abgebildet.

Der aus den Abruzzen importierte Weisswein heißt passenderweise Pecorino und mundet vorzüglich, die sinkende Sonne taucht die bunten Hügel in wechselndes Licht, eine Wachholderdrossel hüpft leichfüssig umher. Nein, kein dem Wachholderschnaps zugetaner Mensch, sondern ein schlanker sandfarbener Vogel.
Unter jeder Bank klebt ein Geocache.



Am Abend gewittert es. Der Regen beendet die Hitzewelle und den Hochsommer.
Am zweiten Tag in der Heide radeln wir. Der Regen hat Wellenmuster in den Sand gezeichnet. In die Baumkronen ist der Herbst eingezogen. Ein paar erste Blätter fallen im heute frischen Wind. An mehreren Bienenstöcken fahren wir vorbei, die heißen hier „Immenturm“.

Die Heidelandschaft ist erstaunlich hügelig. Auf der höchsten Erhebung, 168 Meter!, pfeift der Wind wie auf echten Berggipfeln. Auch jede Menge Wald gibt’s, kilometerlang rumpeln wir über wurzelige Forstwege. Einmal falle ich fast vom Rad. Weil uns ein Wanderer entgegen kommt, der splitterfasernackt ist, bis auf Schuhe und ein Glitzerbändchen um sein baumelndes Geschlechtsteil.
In einem alten Schafstall, heute ein Restaurant mit Garten, gibt’s schmackhaften Käse- Heidelbeerkuchen. Der bettelnde Hahn bekommt nichts ab.

Auf den letzten Metern passieren wir einen Feldgottesdienst mit Blasmusik. Der liebe Gott gibt seinen Regen und seine Hitze auf alles was da kreucht und fleucht, erklärt der Wiesenpfarrer. Wir schämen uns fremd und kommen als Lüneburger Heiden am Rolling Home an.