Stolz stelle ich meine Rumflasche im Supermarkt aufs Kassenband und verkünde der Kassiererin: „Heute machen wir uns Pharisäer!“
Sie guckt sehr skeptisch:
„Wir nehm imma den Rumm von Hansen, den in der blauen Flasche, der hat 40%“.

Brav tausche ich um. Frage nach der Dosierung, und bekomme eine genaue Anleitung:
„Warmen! Rum in den Kaffeepott geben. So viel, dass das Blatt vom Löffel bedeckt ist. Gesüssten starken Kaffee drauf. Dann Schlagsahne drüber, ungesüßt. Leicht kitzeln (=umrühren) und den Löffel nicht ablecken, das tut man nicht, das kostet ne Lokalrunde.
Und auf einem Bein kann man nicht stehen. Und das Schaf hat ja viele Beine…“
Und so machen wir das dann. Man trinkt also das KaffeeRumGemisch durch die Sahne hindurch.

Das Getränk wurde hier auf Nordstrand erfunden, man wollte dem strengen Pfarrer den Rum im Kaffee verheimlichen, die Sahne dichtet ab, man riecht nichts. Und als der Pastor das rausbekam, nannte er seine Schafe Pharisäer. Und so hatte der feine Trank einen Namen.
Dass der Pfarrer selbst ein ungesüsstes Ferkel war, im Umgang mit seinem Dienstmädchen, das sei hier auch benannt. Es kam sogar zum Prozess, Theodor Storm war der Richter. Angeblich hat sie widerrufen. Schade.
