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Hannover

Wir lassen den ordentlichen Campingplatz hinter uns, mit leichtem Bedauern: Hätten wir vielleicht doch mehr Anarchie verbreiten sollen? Ach was. 

Lieber noch ein wenig am Deich entlang laufen. Daraus wird eine Wanderung von gut zwei Stunden, zu Fuß ist es fad am Watt. Immerhin gibt’s lecker Fish & Chips unterwegs. Nettes Geplauder mit Fürthern, das geht (Hallo Hans). Sie empfehlen uns Tönning anzuschauen, machen wir nächstes Jahr, vor oder nach Amrum…

Wir verlassen die Küste, stehen vorm Elbtunnel im Stau, erreichen erst im Dunkeln Hannover. 

Das war bisher unbekanntes Gebiet, Hochdeutsch und flach, mehr nicht. Es liegt auf dem Weg, also schauen wir mal.

Wir finden einen Platz zum Übernachten zwischen Schrebergärten. Der Gartenzwerg (Gulliver, weitgereist) an unserem WoMo weint vor Glück, fühlt er sich doch endlich daheim. Aber die Datschen sind bunt und gar nicht spießig. 

Nebenan  im Park das Wilhelm Busch Museum. Es ehrt die großen Karikaturisten, in wechselnden Ausstellungen, jetzt F.K.Waechter, und Tex Rubinowitz, und in der allgemeinen Sammlung Werke vieler bekannte ComicZeichner.

Schloss Herrenhausen mit seinen Gärten war der Sitz der Kurfürsten und Könige von Hannover.  Gegen ordentlich Eintritt dürfen wir durch den „Großen Garten“ lustwandeln, die barocke Anlage hat Bedeutung in Europa. Breite Wege, alte Linden, 

Kleine und große Wasserfontänen verteilen Sprühnebel, malen Regenbogen, sehr schön. 

Der Park ist ordentlich, niedrige Hecken, Rasenflächen, symmetrisch, aufgeräumt, weit, aber er macht den Besucher klein, anders als der Botanische Garten in Hamburg, der uns so gut tat. Immerhin: Es gibt Apfelbäume, alte Sorten.

Und der Buchsbaumzünsler treibt auch hier respektlos sein Unwesen, vor ihm sind alle Hecken gleich und am Ende kahl.

In einem alten Gebäude eine künstliche Grotte, gestaltet von Niki deSaintPhalle. Die Mutter aller Nanas wurde hier in Hannover sehr geschätzt, und umgekehrt.

Von Schloss und Park führt eine wunderbare Allee in die Innenstadt. Doppelreihig stehen mehr als 1000 alten Linden, zwei Kilometer lang. Napoleons Truppen wollten sie schon fällen, aber ein reicher Bäcker kaufte alle Bäume auf, – und ließ sie stehen. 

Wir wollen ins Kino, radeln in die Innenstadt, die hat „im Krieg schwer gelitten“, danach aber auch. War völlig platt, jetzt hässlich.

Eine ProPalästina Demo zieht vorbei, ein „guter Deutsche“  motzt, ein Slowene ätzt gg. „faule Kroaten“.

Das Kino fällt dann aus, weil wir uns nicht trauen, unsere guten Räder zurückzulassen. Lieber gehen wir Essen, ein irakisches Lokal „Tigris“.

Sehr lecker und freundlich. In einem schönen Stadtteil, gibt’s also auch.

Anderntags nochmal in die Stadt, erst übern Trödelmarkt.

Trödel?

Dort beobachtet uns ein alter türkischer Händler, fragt, wie lange wir zusammen sind, – 44 Jahre – er freut sich und ruft „Marshallah“ und erklärt, das heißt „wunderbar“, gottgewollt. Recht hat er.

Da müssen wir erst mal Crepes essen und Surfer auf der stehenden Welle der Leine beobachtet.

Dann ins Spengel Museum. Benannt nach dem Mann mit der Schokoladen Fabrik. Kunstsammler und Stifter. Das Gebäude ist reinster Brutalismus.

Bewohnt von klassischer Moderne und später. Leider ist das gesamte Werk von Niki de SaintPhalle nicht zu sehen, in Vorbereitung einer kommenden Sonderausstellung. Sehr schade, denn deshalb waren wir vor allem hergekommen. 

Zuletzt treiben wir uns noch am Maschsee herum, radeln dann an einem Afrikafest vorbei, schöne Stimmung, buntes Leben in Parks, wir kommen gern wieder.

Auf der Rückfahrt hören wir den Schimmelreiter von Storm, so feine Sprache.

Nachts um eins sind wir wohlbehalten daheim in unserer schönen Wohnung.

Und bald geht’s in die Toskana…

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