
28.9.23
In der Bucht neben der Vlychada Höhle, eine Tropfsteinhöhle an der westlichen Mani, durch die Besucher mit einem Holzkahn geschippert werden, stehen zehn Wohnmobile. Wir quetschen uns auch noch mit in die Reihe. Grosse weisse Strandkiesel geben der Bucht ihren Namen. Vor ein paar Jahren standen wir hier allein. Der Kurze Weg über den macchia- bewachsenen Hügel, der in die Nachbarbucht zum Höhleneingang führt, stinkt, in jedem Busch hängt Klopapier. Wie eklig und wie schade, denke ich, das kann Mensch doch besser lösen. In der Nacht gewittert es wieder und schifft tüchtig. Volos ist erneut überschwemmt worden, lesen wir im Netz. Hier ist alles gut. Was tun wir als nächstes? Noch ne Nacht bleiben? Schwimmen? Spazieren gehen? Doch noch mal in die Höhle? Weiter nach Kardamili? Oder gleich an den westlichen Finger, weil da das Wetter besser ist? Wir wälzen Reiseführer, befragen das Internet, so viele Optionen. Choice-overload oder Entscheidungsparadoxon nennt das die Psychologie. Bei der Ursprungsstudie ging es um Marmeladenauswahl. Ab einer bestimmten Anzahl von Optionen blockt das Hirn und will gar nichts mehr (kaufen), Lähmung setzt ein. Das ist schon lange bekannt: „wer die Wahl hat, hat die Qual“. „Weniger ist mehr“. Tipps gibt’s in Postkartenform: „Es gibt nicht Gutes, außer man tut es“. All das viele Wissen um dies Phänomen scheint nicht viel zu nützen, Entscheidungscoaching ist ein riesiger Markt. Vielleicht sollten wir eine organisierte Reise buchen, damit wir nur einmal das Ziel entscheiden müssen und dann nicht mehr drüber nachdenken, was man alles tun könnte und was man überhaupt will. „Lass uns weiter fahren“, sagt Jo. „OK“, sage ich. „Oder doch stehen bleiben? Es sieht wieder nach Gewitter aus und ich hab schon einen Tropfen abbekommen“. Uff, wir hams echt schwer.