Im Kingz Cottage in Negombo haben wir eine gute erste Nacht. Ein ummauertes Drei-Zimmer-Haus mit Pool für uns allein. Morgens wird auf der Terrasse ein üppiges Frühstück serviert. Der Tag kann beginnen.


Wir lassen uns von einem Taxivan zum nächsten Standort bringen. Drei Stunden lang dürfen wir beobachten, warum in Reiseführern vom Selbstfahren im Mietwagen abgeraten wird. Im Hinterland der Küste, an der sich ein Ort an den anderen reiht, verläuft eine schmale zweispurige Straße. Linksverkehr. Die zahlreichen Gefährte machen drei und bisweilen sogar vier Spuren auf. Da drängt sich ein bunter Lanka Ashok Leyland Bus an einem mit Kokosnüssen beladenen Laster vorbei und durch den Zwischenraum flutscht noch rasch ein Moped. Zwei Roller überholen sich gegenseitig und gleichzeitig ein Tuktuk. Tuktuks hupen Radfahrer beiseite, Fußgänger retten sich zwischen parkende Wägen oder Gemüsestände. Alle hupen. Für unser Empfinden ist der Verkehr schnell und chaotisch. Aber niemand ist aggressiv. Für uns ein Widerspruch.
Im letzten Drittel der Fahrt wird es ländlich. Kühe laufen auf der Straße, Salinen, Kokospalmen, Reisfelder wechseln sich ab. Am Schluss geht’s im Zickzack durch eine enge Siedlung kleiner Holzhäuser, vor denen bunte Tücher im Wind flattern.
Unsere Unterkunft, Horizon Beach Ressort, ist „White Lotus“ light. Es liegt direkt am Meer. Einzelne Wohnhäuschen mit überdachten Terrassen und Außenbädern umstehen zwei Pools. Morgens wird der Sand geharkt, die Pools gereinigt, und jedem Gast wird eine Flasche Wasser gereicht.






Der Manager, ein alter kleiner Mann mit kleinschrittigem watschelnden Gang, wirkt auf den ersten Blick mitleiderregend – alt, gebrechlich, vielleicht hat er Parkinson, der Arme muss noch arbeiten – hat aber das Personal und die Gäste fest im Blick und im Griff. Um acht gibt’s Buffet, um fünf vor acht klopft er bei uns und fragt mahnend, ob wir nicht kommen.
Strandspaziergang
Man kann kilometerweit am Meer entlang laufen. Dabei wird man stets von ein paar gelben Hunden begleitet.


An manchen Stellen haben Stürme den Sand geraubt. Dort ist eine drei Meter hohe Abrisskante. Umgefallene Palmen, halb abgestürzte Holzhütten. An anderen Stellen ist der Strand flach und tief, Fischerboote liegen hier, die Fischer sitzen im Schatten von palmwedelgedeckten Unterständen und flicken Netze, Schildkrötennester sind umzäunt, auf dem Wasser sausen Kite Surfer herum. Hier kann man schwimmen, die Wellen sind niedrig, das Wasser ist warm.







Es gibt jede Menge einfache Lokale, die für das leibliche Wohl sorgen. Mit den nackten Füßen im Sand essen wir gegrillten Fisch und Curry-Variationen.

Drei Tage haben wir gebucht. Zum Ankommen und Erholen. Der Weltenwechsel erfordert Verdauungszeit.



Radtour
Autorin: Marlene
An einem der Tage machen wir eine Fahrradtour zum Erkunden der Umgebung, zur Abwechslung autonom und auf eigene Faust statt chauffiert. Die Ein-Gang-Räder stammen von der Familie wenige Häuser weiter, zwei rostige Drahtesel mit Korb haben sie vor der Türe, ein drittes erhandeln wir im Hotel, Tilman und Jana fahren lieber Tuktuk.
Aufsitzen und los! Große Freiheit stellt sich schnell ein, wenig später gefolgt von schmerzenden Pobacken, über die der Fahrtwind aber hinwegtröstet.
Die kleine sauber geteerte Straße windet sich durch Palmen, Dünen, Lagunen und Brachland. Ein kleiner sandiger Abstecher vor zum Kitesurfing Spot, immer der Nase nach. Max Raabe singt:
„Manchmal ist das Leben ganz schön leicht
Zwei Räder, ein Lenker und das reicht
Wenn ich mit meinem Fahrrad fahr‘
Dann ist die Welt ganz einfach“



Bis Kalpitiya ist es wirklich so einfach, im Ortskern sind wir dann schnell überreizt. Im Straßenverkehr die Orientierung behalten, heile bleiben, über das enge hitzige Geschehen staunen, die Gruppe nicht verlieren und das alles hungrig und bei 35 Grad plättet in Minutenschnelle.



Nach einer mittelmäßig ansprechenden, aber kühlen Einkehr und dem Proviantkauf im Liquorstore (Arrak! und Lion Beer) sind wir erholt genug für den Heimweg, den wir für einen Kaffeestop unterbrechen. Guter Kaffee ist Mangelware im Teeland. Aber das Windsock Café wird von einem Italiener betrieben und italienisch ist auch sein Kaffee. Ein Fest!



Nur noch ein Katzensprung bis zur Unterkunft. Der Pool lockt. Zum Abendessen in eine der vielen Kneipen. Wir haben uns eingegroovt und könnten noch ein Weilchen bleiben. Aber am nächsten Tag geht’s schon wieder weiter.
Good coffee and a mango tree – was für ein schöner Titel für die 1. Buchausgabe eurer gesammelten Reiseerinnerungen – in würdiger Reihe mit Helge Timmerberg