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Kräuergarten und Buddha Höhlen

Zwei Nächte verbrachten wir im Elefant Trio in Sigiriya. Zwei Mal wurden wir früh um fünf von Tuktuks geweckt, die Sonnenaufgangstouristen zum Start der Bergtour auf den Piturangala Felsen fuhren. Das Knattern weckte auch die Pfauen auf, die sogleich ihre durchdringenden Schreie in die Dunkelheit schickten.
Am Morgen vor der Weiterfahrt versammelte sich die Herde noch vor dem Frühstück in der nahegelegenen Bar, in der sie guten Bohnenkaffee bekam. Wohlgemerkt kein Nescafé! Den gab es dann in der Unterkunft.

Die Herde am Kaffeeloch

Wir bedankten uns beim Gastgeber für das gute Essen, tatsächlich das beste bisher. Er habe als Koch in verschiedenen Städten der Insel gearbeitet, erzählte er. Unten im Hof baue er ein kleines Restaurant, seiner Frau gehe es nicht schnell genug: „my wife always blablabla, but I have no time“. Jo und Tilman stimmten ihm zu, bei Ihnen sei das auch so, die Frauen machten Druck. Schön, diese männliche Völkerverständigung.

Ayurveda Einblick
Der Gastgeber hatte unsere Weiterfahrt nach Kandy organisiert und regte an, einen kleinen Spice Garden in der Nähe zu besuchen.  So, why not?
Ein Mittfünfziger mit glattem Gesicht und glänzenden nach hinten gekämmten Haaren führte uns durch den kleinen Garten, zeigte uns eine beeindruckende Vielfalt von Pflanzen und erklärte deren Anwendung und Nutzen in der ayurvedischen Medizin.

Da gab es Sandelholz, dessen sehr zähes, glasklares geruchloses Öl er uns in die Handflächen träufelte. Beim Verreiben und Erwärmen auf der und durch die Haut fing es an zu duften, wunderbar zartholzig. Wenn man dies kostbare Öl mit der Safrancreme vermische, würden Augenringe verschwinden. Jede Tinktur, jede Creme tupfte er uns auf, jedes Gewürz gab er uns zu kosten. Aloe gegen Sonnenbrand, Kokosöl gegen Haarausfall, eine Zaubermischung, die unliebsame Körperbehaarung dauerhaft beseitigt, Cardamomsamen gegen Mundgeruch, Zimtrinde. Wir probierten, schnupperten, lauschten.

Enthaarungscreme: Never put in your eyebrow!
Weg sind sie, die Haare

Dann bekamen wir eine Kostprobe ayurvedischer Massage. Fünf Ayurveda Students arbeiteten synchron an uns: die Köpfe wurden massiert, die Armlymphe ausgestrichen, die Nacken und Rücken geknetet, sehr angenehm. Bis dahin war alles kostenfrei. Wenn wir wollten, könnten wir den Students einen Obolus geben. Taten wir natürlich. Nach der Massage bekamen alle einen vierseitigen Prospekt in die Hand gedrückt, in dem auf Deutsch die Produkte vorgestellt wurden, die man im Shop erwerben kann. Mit dem dazugereichten Bleistift sollten wir alles ankreuzen was uns interessiert.

Da gab’s was gegen und für alles. Eine medizinisch-kosmetische Zauberliste. Ich hätte gern einmal alles gehabt, Strich aber nur das wirklich Wichtige an: Kräutertee gegen Phlegmatismus, ein Elixier, das Busen und Arme strafft, besagtes Sandelholz Öl, das Falten beseitigt, Rosenöl, die Haarentfernungscreme, Öl gegen Ödeme in den Gelenken und nicht zuletzt Schlankheitspillen, die den Stoffwechsel so voran bringen, dass fünf Kilo im Nu abschmelzen.

Wünsch dir was

Danach wurden wir in den Shop geführt, begleitet von je einem Berater, der uns die angekreuzten Produkte zeigte und in einen Korb legte. Die zum Schluss addierte Summe war erschreckend hoch und konnte durch Verkleinerung der Gebinde oder durch Aussortieren einzelner Produkte reduziert werden. Der Berater referierte bei jedem Ding, das ich zurückgab, sanft und eindringlich dessen grossen Nutzen.
Ich war stark und kam mit fünfzig Euro davon. Jo war noch stärker, er  verließ den Shop sofort und kaufte nichts. Insgesamt hat der hübsche Kräutergarten mit dem freien Eintritt ganz gut an uns verdient, und wir haben eine Lektion in verkaufsförderndem Storytelling erhalten.
Später bat uns unser Fahrer, der am Garten auf uns gewartet hatte, um Fotos der Quittungen. Er bekommt Provision.

Dambulla Höhlen
Ein wichtiges Heiligtum der Insel sind die uralten Felsentempel bei Dambulla und der moderne riesige goldene Buddha davor. Entsprechend voll ist es dort.

370 Stufen muss man empor steigen, die Schuhe ausziehen, Beine und Schultern bedecken.

In fünf Felsenhöhlen stehen, sitzen und liegen Buddhastatuen. Wände und Decken sind mit Fresken überzogen.

Wie kommt der Dürer Hase dort hin?

Der Reiseführer weiß:
Die Höhlen sind ein symbolisches Universum:
Der Buddha steht für den Weg zur Erleuchtung, Könige und Götter symbolisieren die  Ordnung der Welt. Das Gesamtensemble kann als innerer spiritueller Raum gelesen werden, Besucher durchlaufen symbolisch den Weg vom weltlichen Dasein zur Erleuchtung.

Keine Selfies erlaubt, man hält sich dran

Ich Ahnungslose, nicht vertraut mit der Symbolik, bemerke in den Höhlen vor allem den fehlenden Sauerstoff und den Käse-Fussgeruch, aber auch die andächtig von den Betenden dargebrachten Blumen. Außen bemerke ich die lauernden Affen, den heißen Felsenboden unter den nackten Füßen, aber auch die Räucherstäbchen, die hier zur Andacht angezündet werden wie in christlichen Kirchen die Kerzen.
Am Ende erwischt uns ein heftiger Regenguss. Zurück am Van sind wir nass bis auf die Haut.

Es folgt ein Höllenritt auf verstopfter Straße bis Kandy. Wir brauchen zwei Stunden für zwanzig Kilometer. Völlig überreizt checken wir im Hotel ein. Drei Zimmer übereinander mit Blick auf den Fluss.

Mahaveli Ganga

Endlich Stille. Später am Abend ein mittelgutes Essen im benachbarten Restaurant und dann eine eigentlich gute Nacht in bequemen Betten, wenn da nicht die vielen Mücken wären..

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