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PECH im Paradies

Tochter und Vater spielen Frisbee am Strand, es dämmert schon. Ein Bierchen, die ersten Sterne erscheinen. Einige Planeten sind zur Zeit in Reihe.

Sie singen „when the moon is in the seventh house, and Jupiter aligns with mars…“

Zurück zum Hotel, die Truppe will Essen gehen, die Alten brauchen noch einen Moment, Marlene hört auf Spotify „The rocky road to Dublin“ und tanzt im Dunkeln. Dabei verpasst sie eine kleine Stufe, knickt um, schreit vor Schmerz, liegt am Boden.

Der Knöchel tut sauweh. Der Schreck ist riesig. Der Wirt bringt Eiswürfel.

Tränen, Sorgen, Ibuprofen, Arrack. Ein Druckverband.

PauseEisCompressionHochlagern   =  PECH

…lernt man in der Chirurgie…

Die Nacht geht irgendwie rum.

Morgens fahren Tochter und Vater ins Southern Lanka Hospital, eine Privatklinik. Sofort ist ein Rollstuhl da, samt Fahrer. Direkt geht’s in die Notaufnahme, vorbei am Warteraum, gleich zur Behandlung, da ist es richtig voll, drei Patientinnen gleichzeitig, großes Gewusel, wichtige Mienen, Hierarchien abchecken, Schnepfen -im bunten Sari uniformiert- sind die Verwaltung und nehmen sich Raum, hier also auch. Der Rollstuhl wird zwar gesehen, der Inhalt aber sofort entmündigt: Ich werde gefragt, wie alt ich bin, Marlene antwortet, daß sie die Patientin sei und 36. Der Sari wiederholt OK, 46 und geht weiter.

Im Eck sitzt die Ärztin: „What happened?… Ok, so we need X-ray…“

Ein Stock höher, aber zunächst zur Kassenschnepfe, Röntgen bezahlen. Kostet 3000 Rupien, also 8,31€, ein Schnäppchen das, einmal reicht trotzdem. 

Der Apparat ist alt, aber bezahlt, der Bleilendenschurz kommt nur widerwillig nach ausdrücklicher Bitte.

Die bange Frage ist ja: Bruch oder Nichtbruch? Dr. Solbach sieht keine Fraktur auf dem Knochenfoto, die echte Doktora unten auch nicht, uff. Sie schickt weiter zum Facharzt, der schreibe die nötigen Atteste, komme aber erst später.

Also wieder hoch, doch halt, erst wieder zur Sarischnepfe, der Orthopäde kostet 20€, nochn Schnapper.

Zwei Stunden warten. Wir knobeln an einem ZeitKreuzworträtsel, denken um die Ecke.

Das ist zwischendurch lustig, aber Lachen wird nicht gern gehört im Wartesaal, empörte Blicke, wir stören beim leiden.

Eine andere deutsche Frau auf einer Liege, in nassen Klamotten, beim Surfen geknickelt, deutlich schlimmer beschädigt, gebrochen. Unser Gedanke (…es hätte schlimmer kommen können…) schadet ihr nicht. Zum Glück gehört immer auch die Frage, mit wem man sich vergleicht.

Der Orthopäde ist Klasse, seine Hilfskraft baselt Marlene ans Bein, auu.

Er spricht gut Englisch, untersucht gründlich, kann einen Haarriss nicht ausschließen, was aber akut nix ändert. Er verschreibt einen Moonboot und Krücken. Krankschreibung, Attest zur Flugfähigkeit, Empfehlung CT oder MRT daheim. Kurzer gemeinsamer Exkurs zur amerikanischen Aussenpolitik (make trouble at their home)

Dankbar raus. Der passende Moonboot ist leider erst in zwei Tagen lieferbar, und es gibt vorerst nur eine Krücke, was soll’s. Wir sind froh um die leichtere Diagnose Bänderteilriss, Zerrung, evtl Kapselriss.

Glück im Unglück also, Tilman bastelt eine solide zweite BioKrücke aus Palmenholz und einen feinen Tapeverband.

Marlene rettet ihre Urlaubstage, und wir haben alle eine schöne Ausrede fürs Rumhängen und Faulsein.

Wer den Schaden hat…spottet jeder Beschreibung
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Anonym
Anonym
1 Monat vor

Es hätte schlimmer kommen können. Das schadet nicht, wohl wahr. Alles alles Gute, Marlene!

Andrea
Andrea
1 Monat vor

Alles Gute Marlene und hoffentlich weitgehend schmerzfrei. Und gutes Heimkommen in absehbarer Zeit.

admin
Administrator
1 Monat vor
Antwort auf  Andrea

Danke

Charlott
Charlott
1 Monat vor

Wir sind froh, dass es euch alles in allem gut geht und dass Ihr was Gutes draus macht. Marlene wünschen wir, dass es nicht arg weh tut und rasch gut wird. Die Biokrücke verdient den Josef Beuys Preis 2026. Ihr solltet sie mitheimbringen und zu Geld mach……. ok,ok, nur so ne Idee.

admin
Administrator
1 Monat vor
Antwort auf  Charlott

Sehr gute Idee, vllt noch etwas Honig drauf…

Annette Reichardt
Annette Reichardt
1 Monat vor

Annette achherrje, das ist wirklich Pech, gute Besserung für Marlene und solange ihr euch euren Humor bewahrt ist es hoffentlich auszuhalten?