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Gestrandet im Paradies

Während der Anreise nach Tangalle erfahren wir vom Beginn des Angriffskriegs auf den Iran. Wir sind entsetzt und besorgt, zunächst politisch, dann auch privat:

In der Nacht auf den 5.3. wird der Rückflug der Jugend von der Emirates Airline abgesagt. Dubai ist gesperrt. Wir rechneten seit Tagen damit, und bemühen uns tapfer, die geplanten Strandtage trotzdem zu genießen. Aber die Ungewissheit läuft mit.
Wir trösten uns: wir sitzen hier und nicht am Flughafen Dubai. Die Jugend kommt unverhofft zu weiteren Strandtagen. Und doch ist das nichts, was man sich ausgesucht hat. Man hat Verpflichtungen daheim. Und Pläne. Man muss weg- und umorganisieren, Einkünfte fallen weg, Prüfungstermine stehen in Frage.
Hier am einsamen Strand ist es so schön, dass man gerne länger verweilen möchte. Aber wenn man wegen der äußeren Umstände bleiben muß, wird das Paradies zur Falle.
Weil der Wahnsinnige im weißen Haus den Iran angreift, ist der Menschen- und Warentransport stark beeinträchtigt und der Konflikt weitet sich bedrohlich aus.

Im „Daily mirror“ der schönen Insel wird berichtet, dass bereits rund 10.000 Touristen in Sri Lanka festsitzen und dass eine  einwöchige Schließung des Luftraums über dem Nahen Osten Sri Lanka 15 Millionen US-Dollar an Tourismuseinnahmen kostet.

Plan B muss her

„Contact us,“ empfiehlt Emirates in der Absagemail. Man könne das Geld zurück erhalten oder umbuchen.
Die Hotline ist erwartungsgemäß überlastet. Nach langem Warten in der Schleife ist endlich ein Mensch an der Strippe. Sierra-Oskar-Lima-Bravo- Alpha-Charlie-Hotel, buchstabiert Marlene ihren Namen und die Flugnummer. Nein, wir wollen nicht das Geld zurück. Ja, wir wollen umbuchen. Leider tüftelt Emirates keine alternative Flugroute für die Gestrandeten aus. Der nächstmögliche Flug, der angeboten wird, ist über Dubai am 15.3., sofern es die Lage erlaubt. Das weiß man natürlich nicht. Wir nehmen das Angebot an. Eine längere Recherche nach Alternativen ergibt: unter Auslassung des arabischen Luftraumes könnte man über Bangkok oder Singapur fliegen, in 70 Stunden Reisezeit für 4000 Euro. Damit ist klar, dass wir bis zum neuen Abflugtermin Pläne schmieden können.
Die Welt geht unter, wir brauchen Sonnencreme und einen Konsens über unseren nächsten Standort.

Es ist Mittag und zu heiß, um in der Sonne zu sein. Ein lauter Schuss verjagt eine Affenhorde, die in den Palmen und auf den Hausdächern herumtobt. Wir liegen in unseren Hängematten, der Zimmerwirt angelt für uns Kokosnüsse von einer Palme auf dem Nachbargrundstück, wirft sie über den Zaun und haut sie mit der Machete auf.

Drinnen ist köstlicher süß saurer Saft. Als der alle ist, schlägt er die Nüsse in zwei Hälften und einen Keil von der dicken Schale ab, den man nutzt, um das weiße, noch glibberige Kokosfleisch von der Wand zu schaben. Sieht aus und fühlt sich an wie ein glitschiger kleiner Tintenfisch. Schmeckt sahnigsüss.

Nicht weit von uns versenkt die USA Navy vor der Küste Sri Lankas ein iranisches Kriegsschiff, das unbewaffnet auf dem Rückweg von einer indischen Flottenparade war, an der auch die Amis ursprünglich teilnehmen wollten.

Am Nachmittag besprechen wir uns. Die Alten wollen in den Osten, gemäß ihrem ursprünglichen Plan. Gerne gemeinsam. Sie haben ja auch noch mehr Zeit, ihr Flug geht erst am 24.3. Den Jungen ist das zu viel Fahrerei und zu viel Road Trip. Marlene will zudem homeoffice machen, Jana muss lernen. 

Gemeinsame Priorität ist: Zusammen bleiben!

Die Alten geben gerne nach, wir verlängern unseren Aufenthalt im Lonely Beach, wo wir die Wellen hören und das Meer sehen.

jede Menge Reizarmut
Sonnenlicht in Palmwedeln
Mitunter müssiggehend mit Muscheln malen
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Anonym
Anonym
1 Monat vor

Ich hoffe ihr kommt bald gut nach Hause.

Annette Reichardt
Annette Reichardt
1 Monat vor

Hier ist Annette
Vielen Dank dass wir an eurem Reiseblog teilnehmen dürfen, wie großartig dass auch vergangene Reisen zu sehen sind. Ihr schreibt wunderschön und die Fotos sind auch großartig (habe mir gerade das Ende der Toskana Reise mit dem Skulpturengarten angeschaut).
Aber was für ein aktuelles Drama für euch, es tut uns sehr leid dass ihr so unmittelbar betroffen seid. Können uns sehr gut vorstellen dass es schwierig ist entspannt zu bleiben und bestmöglich zu genießen wenn rundherum die Welt zerfällt. Wir hoffen das Beste für euch und schicken ganz herzliche Grüße
Annette und Rolf

admin
Administrator
1 Monat vor
Antwort auf  Annette Reichardt

Danke. Willkommen an Bord

Eckhard
Eckhard
1 Monat vor

Ihr beschreibt es gut nachvollziebar: Die Ungewissheit läuft mit, das Paradies wird evtl. zur Falle. Ihr macht offensichtlich das Beste draus, steckt derzeit auf keinem Flughafen fest. Wie abhängig wir alle sind (so oder so) wird sehr deutlich! Ihr macht das, was ihr beeinflussen könnt, richtig gut, denke ich! 👍🙏👍

admin
Administrator
1 Monat vor
Antwort auf  Eckhard

Danke. Genau, wir machen Gutes draus

Anonym
Anonym
1 Monat vor

Oje, wünsche Euch viel Glück und hoffe, dass sich das alles noch irgendwie fügt…
LG
Klaus

admin
Administrator
1 Monat vor
Antwort auf  Anonym

Danke Dir