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Half day Ayurveda

In der Nähe ist ein Herb Medicare Ayurveda Center. Es wird  in Google Maps als Ärztehaus bezeichnet, die Bewertungen klingen vielversprechend.
Marlene und ich buchen das Halbtagespaket, um einen Einblick in Ayurveda zu bekommen.
Frisch geduscht machen wir uns auf den Weg, frau will ja keine Zumutung sein. Nach dem zwanzig minütigen Spaziergang sind wir allerdings schon wieder nass geschwitzt.

Vorher

Das Haus ist ein flaches Gebäude mit mehreren Zimmern inmitten eines grossen schattigen Hofes. Hier sehe ich zum ersten Mal auf der Insel Haushühner.


Ein Mann in blauem OP Kittel trägt ein niedliches Kleinkind auf dem Arm. Er begrüßt uns und zeigt uns die Behandlungsräume.

Ich bekomme zuerst den Ölguss, Marlene die Massage, dann tauschen wir.
In einem winzigen Raum steht eine Liege, abschüssig zum Kopfteil hin. Daneben hängt an einem Galgen ein Kupferkessel mit Tülle unten dran.

Eine junge Frau weist mich mit einladender Geste an, mich hinzulegen. Sie misst meinen Blutdruck mit einer aufblasbaren Manschette und einem Stethoskop, so wie ich das vor vierzig Jahren in der Krankenpflegeausbildung gelernt habe. Den Wert verrät sie mir nicht. Chatthu heißt sie, das erfahre ich durch Nachfragen. Dann geht sie, und ein junger Mann kommt rein, lächelt freundlich, deckt mir die Augen mit einem Fließstreifen ab, stopft mir Watte in die Ohren. Ich spüre eine sanfte Berührung meiner Stirn. Warm und gleichmäßig wandert sie hin und her, wie ein leichter zärtlicher Finger, wieder und immer wieder. Das ist das Öl. Es rinnt kitzelnd meine Kopfhaut entlang. Ich beginne zu träumen. Ab und zu setzt sich eine Fliege auf meine Arme oder Beine, ich höre den jungen Mann schlucken, den Hahn krähen. Ein zeitloser Moment.

Als der Ölstrom versiegt, massieren feste Finger meine Kopfhaut. Der Masseur schlingt mir ein Handtuch um den Kopf und bittet mich, kurz aufzustehen. Er tritt die Klötze weg, die unter zwei Beinen der Liege stehen und rückt sie damit gerade. Ich soll mich wieder hinlegen, diesmal mit dem Kopf in die andere Richtung, „face up for face massage.“ Er tupfte mir kühle duftende Creme auf Wangen und Stirn und massiert mein Gesicht. Streicht die Stirn aus, zieht die Nase lang, umfährt den Mund. Seine Finger sind ledrig und riechen nach Nikotin.
Der erste Teil ist rum. Eine Stunde hat er gedauert. „Wait,“ sagt der junge Mann und verlässt den Raum.

Mein fettiger Kopfabdruck

Ich warte lieber im Vorraum. Trinke Wasser aus meiner Flasche, mache ein Foto. Der junge Mann sitzt draussen, raucht, daddelt und schaut verlegen, als er mich bemerkt. Ich frage nach der Toilette. Sie ist im Innenhof, ein betonierter Raum, die Halterung der Popodusche fällt ab, als ich sie berühre, den Wasserhahn muss man mit links fixieren, sonst dreht er sich mit, wenn man den Knauf betätigt. Auf dem Rückweg in den Wartebereich spitze ich in eine große Küche, in der ein offenes Feuer brennt. Daneben ist der Baderaum mit gefülltem Holzzuber. Hinter dem Tresen mit der Trinkgeld Kasse ist ein kleines Spielzimmer mit Matratze am Boden und allerlei Puppen und Rasseln.

Marlene kommt aus ihrem Behandlungsraum, verwuschelt und gehüllt in eine fremde Bluse, sie darf jetzt in die Wanne.


Bei mir ist die Massage dran. Alles, bis auf den Slip, ausziehen und „face down“ auf die Liege legen. Die Kopföffnung ist sehr groß. Ich rukkele mir das zur Wurst gedrehte Handtuch zurecht und finde eine bequeme Position. Mein Blickfeld besteht nun aus braunen Holzwänden und den  sehr geraden braunen Zehen der Behandlerin.
Die zierliche Chatthu langt ordentlich hin. Ich spüre Wadenmuskeln, die ich bislang nicht kannte. Beine, Füße, Arme, Hände, richtig gut. Nur am Rücken ist es mir zu lasch. Nach der Massage drückt sie meinen ganzen Körper mit heißen Kräuterstempeln ab, es duftet angenehm und prickelt auf der Haut.

Nach dieser weiteren Stunde darf ich, glitschig wie ich bin, ins warme Wasser gleiten. Ich strecke mich in der braunen Brühe komplett aus, bedecke meinen Leib mit großen Rizinusblättern und geniesse die warme, stille Schwerelosigkeit.

Eine halbe Stunde lasse ich mich im Kräutersud garziehen. Danach kaltes Wasser ins Gesicht, abtrocknen, Tee trinken und sitzen bis sich der Kreislauf stabilisiert hat. Entspannt und mit sehr fettigen Haaren schlendern wir  von dannen. Drei mal Shampoo ist nötig, um das Öl wieder rauszuwaschen.

Nachher

Eindeutig verjüngt, oder?

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Ilse
Ilse
1 Monat vor

Unbedingt ;-). Verjüngt meine ich.
Am besten ist Bade Bild mit Blättern und der rauchende Masseur. Ayurveda halt.
Plötzlich kann ich auch wieder liken!

Charlott
Charlott
1 Monat vor

Vorher empfand ich euch als jung und schön. Hinterher als schön und jung. Es hat sich schon gelohnt.

Annette Reichardt
Annette Reichardt
1 Monat vor

Bin hin und her gerissen 😅, vieles klingt verlockend, manches schrecklich 😳…, Gesichtsmassage mit Nikotinfingern würde ich nicht gut ertragen…., aber ansonsten, schon tolle Vorstellung die Öl Kopfmassage und auch besonders das Bad 👍, ihr seht jedenfalls herrlich entspannt aus