Frühstückskonversation

7.10.23 Es gibt Scheibengouda zum Frühstück vor dem Wohnmobil am Campingplatz Erodia in der Navarinobucht. Mittelalt und ummantelt mit einer dünnen Wachsschicht, die nicht essbar ist. Ich schneide an den Rändern meiner Scheibe entlang, sehr schmal geraten die Abfallstreifen. Jo ist grosszügiger, seine Ränder sind deutlich dicker. „Weißt du, was Papa jetzt gemacht hätte?“ frage ich ihn. „Klar“, sagt er, „er hätte die Kanten abgetant“. „Nee“, sage ich, „er hätte den Wachsstreifen abgezogen, schau mal, das geht“. Ich knibbele einen Wachsstreifen los und ziehe ihn vorsichtig vom anderen Teil des Abfallstreifens. Knack Knack macht es, als sich der Wachsstreifen ruckartig löst. Es ist nicht wirklich ein Knackgeräusch zu hören, es fühlt sich nur in den Fingern so an. „Und dann hätte er den wachsbefreiten Käsestreifen gegessen und gesagt: das ist das Beste!“ sage ich und stecke mir genauso einen Streifen in den Mund. „Das macht Spass“, sagt Jo und zieht auch Wachsstreifen ab. „Das ist wie Lochfolie knacken“. Wir schütteln beide den Kopf über meinen toten Vater, der zwanghaft die Hühnerknochen der Familienmitglieder abgekaut und es als Sparsamkeit und Genuss verkauft hat. Und wir genießen das Abfummeln der Wachsstreifen. Am Ende ist wirklich nur noch das Wachs übrig, Papa hätte das gefreut. „Ich stelle mir vor“, sagt Jo, „die Toten sitzen auf einer Wolke, tragen weisse Hemden und schlafen. Wenn man an sie denkt, wachen sie auf und der liebe Gott schaut liebevoll auf sie“. „Neulich sind sie alle drei aufgewacht“, sage ich, „in der Kapelle der Methoni Zitadelle“. Ich bin da rein und plötzlich waren sie da, Mama, Papa und Mu. Mir liefen die Tränen die Wangen runter wie Wasser, eine ganze Weile lang. Ich hab drei Kerzen genommen, um sie anzuzünden. „Krieg ich eine ab?“, fragte Jo. „Klar“, sagte ich. „Mama, Papa, Mu“. Wir zündeten die Kerzen an, steckten sie in den Sand und sahen ihnen beim Brennen zu.

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