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Mit der Eisenbahn nach Ella

Eine Sammlung von Erinnerungen und Eindrücken aller Herdenmitglieder, beim Abendessen zusammengetragen und dann sortiert.

– Nach dem Regen beginnt der Tag strahlend sonnig. Um sechs Uhr dreißig Abfahrt zum Bahnhof.

– Um sieben ist bereits eine Schlange vorm noch geschlossenen Ticket Schalter. 150 Rupien kostet die dreistündige Zugfahrt pro Nase.


– Der Zug steht schon bereit, mit noch verschlossenen Türen.

– Die meisten Fahrgäste stellen sich zum Warten vor die zweite Klasse, wir vor die dritte. Da gibt’s mehr Waggons und da steht noch niemand. Noch nicht.

– Die Türen gehen auf, wir schnappen uns Plätze auf der linken Seite. Ein Schaffner bestätigte, was wir gelesen hatten: links ist die schönere Aussicht.

– Die grossen Koffer werden mit vereinten Kräften in die Gepäckablage gewuchtet.


– Fast nur Touristen sind im Zug, ein internationales Sprachgewirr.

– Alle paar Minuten quetscht sich ein Samosaverkäufer durch den vollen Gang. Auf der Schulter eine Plastikkiste frische Samosas, gut und fett. Tee verkauft er auch. Süssester Tee aller Zeiten.

– Ein anderer bietet geröstete  Erdnüsse an: „Lecker lecker“. Die kleinen Tütchen sind aus beschriebenen Schulheftseiten.

– Um halb zehn rattert der Zug langsam los.

– Alle fotografieren, filmen. Die Landschaft aussen und sich innen.

– Grüne Hügel, Teeplantagen, winkende Menschen, unglaubliche Weitsichten.

– Immer wieder stehen Truppen junger SoldatInnen im Wald.

– Die Sitze sind ziemlich eng und hart
Aber dafür kostet die dritte Klasse auch nur 40 Cent pro Ticket, der Tee  war teurer.

– Die Bahn sollte von den Touris den zwanzigfachen Preis nehmen, man würde das ohne zu Zucken zahlen. Man ist hier nicht auf Zack.

– Tunnel, Tunnel, Tunnel, Tunnel, keine, keine, keine, keine, keine, keine Lichter, – Bumm -, Aussicht


– Eine Gruppe aus Korea hat offenbar keinen Spaß. Sie starren vor sich hin oder in ihre Handys. Einer schläft im Stehen ein.

– Nicht nur aus Platzgründen verbringt Tilman die Hälfte der Zugfahrt außerhalb des Zuges. Er läuft sogar kurz  daneben her. Der uniformierte Zugbegleiter sieht das nicht gern: „don’t do that!“


– Tilman teilt die Vorzüge seiner Turnerei – geile Bilder und Aufnahmen ins Handy bekommen –  großzügig mit vielen Mitreisenden aus allen Kontinenten und nimmt fleißig mit den Videoendgeräten der bedauernswerten innen-Sitzenden tolle Aufnahmen für sie auf.

– Eine Koreanerin hängt sich ein wenig ängstlich ebenfalls in die Tür, rutscht direkt ab und kann sich grad noch mit einem Arm an der Stange halten. Tilman packt sie und zieht sie mit Schwung in den Zug zurück.

– Marlene und Jana hängen sich auch immer wieder raus.

– Sich aus dem Fenster raussetzen fühlt sich erst sehr gruselig und dann sehr befreiend und leicht an.

– Am Zug außen rumturnende Kinder machen dem Vater Sorgen.

– Irgendwann steigen tatsächlich auch zwei Locals ein. Etwas verschüchtert sitzen die beiden älteren eleganten Frauen uns gegenüber, verschwinden fast in der Masse an Touris. Marlene  bewundert ihren wunderschönen Zehenschmuck.


– Der Zug rattert rhythmisch, besonders laut in den Tunneln.   Dieselschwaden und der typische Geruch von Eisenabrieb steigen in die Nase.

– Wir genießen die Fahrt sehr. 
Nach etwa zwei Stunden haben wir das Konzept verstanden und freuen uns, dass wir nur die schönste Etappe der berühmten  Zugstrecke fahren.

– Bei der Ankunft in Ella gibt’s  struggle,  weil schon Leute in den Zug reinkommen, während  wir mit unserem vielen Gepäck noch raus wollen, und der Zug gleich weiterfahren wird.
Aber die erfahrenen Zugbegleiter sorgen dafür, dass alle rein oder rauskommen.

– Wir sind da. Schnell finden wir einen Fahrer, der unseren Kram in seinen Van packt. Marlene und Jo fahren mit zur Unterkunft, die anderen drei spazieren im Gleisbett zum Kloster, in dessen Gästebereich wir uns für drei Nächte eingemietet haben.

Am Nachmittag schauen wir uns den Ort an. Es ist ein „everybody goes to“ Spot. Warum? Die Landschaft ist wunderschön, es gibt Wandermöglichkeiten, Wasserfälle, Teeplantagen. Das Klima ist angenehm, wie bei uns an schönen Sommertagen. Die Eisenbahn fährt oberhalb auf der berühmten Neun-Bögen-Brücke entlang, hier werden Selfies ohne Ende gemacht. Ella besteht aus einer Hauptstrasse, über die sich dichter Verkehr quält, und ein paar Seitengassen. Kleine Geschäfte, Restaurants, Bars, Spa-Angebote, Tourenanbieter reihen sich aneinander, überall wird gebaut. Diese Infrastruktur zieht vor allem junge Leute an, wir sind fast die einzigen Boomer.

beachte die Hutmodels

Zur Brücke führt ein ausgetretener Pfad durch den Dschungel, von dem aus man von oben auf die Brücke blickt. Im Netz gibt’s viele hübsche Bilder des Bauwerkes. Hält man aber nur drauf und setzt keine KI ein, sieht’s gleich weniger hübsch aus.

Wir haben sie gesehen. Reicht. Den Abend genießen wir auf der stillen Klosterterrasse mit Blick auf Berge und Wasserfall. Die Bassklänge des Ortes sind nur schwach zu hören. Die Frösche übertönen sie.

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Eckhard
Eckhard
1 Monat vor

Wieder schöne Reise- Fotos – und ganz trocken!! Da kommt bestimmt Freude auf?! Aber auch Hitze, gell?! 👍👍🙏

Anonym
Anonym
1 Monat vor

Ich sitze im Zug nach Nürnberg. Schöne Aussichten hier in Oberfranken. Die Zugfahrt kostet ihren Anteil vom Deutschlandticket. Die Sonne scheint, es wird Frühling, im Iran fürchten viele Menschen um ihr Leben. Ein junger Mann im Gang gegenüber ist friedlich eingeschlafen und schnarcht. Uns geht’s gut. Ich erinnere mich bei jedem eurer Beiträge an drei Monate Sri Lanka vor Jahrzehnten. Damals war Bürgerkrieg, es war je nach Ort für Singhalesen oder Tamilen gefährlich auf die Straße zu gehen (ich glaub das hab ich schonmal geschrieben, egal). Wie beruhigend, dass es heute um 2. oder 3. Klasse geht. Alles Liebe für euch und danke für die Bilder.