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Von allen guten Geistern verlassen

Heute morgen um fünf sind die Kinder mal wieder ausgezogen. Haben sich einfach in ein Taxi gesetzt und weg waren sie.

Und wir mussten auch noch froh sein darüber, schließlich war ihr Rückflug ja gecancelt worden und der heutige der Ersatz. Und daheim warten Aufgaben…

Alle waren traurig beim Abschied, und das nach mehr als vier gemeinsamen Wochen. Wir hatten eine gute Zeit miteinander. Danke dafür.

– Gestern bekamen auch wir Nachricht von Emirates, unser Flug verschiebt sich – aber nur um acht Stunden. Am 24.3. fliegen wir heim. Wir sind sehr froh, haben wir doch jetzt Klarheit. –

Die Kids im Taxi, die Alten legen sich nochmal hin. Um sich dann vormittags abholen zu lassen. Umzug, 23 km weiter.

Der Fahrer, es ist derselbe wie morgens, berichtet sogleich sorgenvoll, daß die Regierung ab heute den Sprit kontingentiert habe, jedes Fahrzeug bekomme nur noch 15 Liter, pro Woche! Er macht sich große Sorgen, klar. Ich frage nach Strom, er berichtet, daß das auch schwierig wird, der Iran habe Sri Lanka ein Dieselkraftwerk spendiert unter der Bedingung, es nur mit iranischem Öl zu betreiben… Er klagt über zerstörte Korallenriffe durch zu viele Glasbodenboote, verwendet gegen alle Warnungen. Viele schiebens auf den Tsunami, aber der Schaden sei vorher bekannt gewesen. Korruption sei ein großes Problem hier, unter der neuen Regierung werde es aber besser. Nach dem Tsunami sollte mit viel zu deutscher Hilfe ein Krankenhaus wieder aufgebaut werden, doch der zuständige Minister wollte „Commission“, also Schmiergeld. Dann wurde nichts aus der Hilfe, und es dauerte mehr als 10 Jahre, bis das Hospital fertig wurde.

Der Taxifahrer ist uns ein sehr angenehmer Mensch, reflektiert, nicht jovial, nicht lustig, ziemlich ernsthaft, und sauer/deprimiert.

Wir kommen zu unserer nächsten (letzten?) Unterkunft in Dodanduwa, nah bei Hikkaduwa, dem Partystrandort, wo wir vor 43 Jahren Schlabberhosen und bunte Hemden kauften. Diesmal wohnen wir nicht am Strand, sondern an einer Lagune, also landeinwärts.

Besonderer Empfang

Acht Nächte werden wir an diesem ruhigen Ort verbringen. Es gibt eine schwimmende Frühstücksterrasse, ein schattiges Baumhaus. Wir sind die einzigen Gäste hier, alle anderen haben storniert, 20 Buchungen fallen aus, vorwiegend aus Deutschland, keine weiteren Gäste in den nächsten 6 Wochen. Der Wirt erzählt voller Stolz und Sorge, daß sie sich binnen eines Jahres eine booking.com Bewertung von 9,8 erarbeitet haben (was enorm ist), und nun stehen sie leer. Der genannte Grund ist immer der selbe, egal ob man Tuktukfahrer, Schneiderin oder Kellner fragt, alle zucken mit den Schultern und sagen „Trump“. Keiner sagt „Krieg“, kennen den Kriegsgrund.

Ansprüche

Es ist ein Elend: Dieses Land hatte Hoffnung geschöpft, wieder mal, und es schien sich was zu entwickeln, eine wohl weniger korrupte Regierung reformiert und versucht zu versöhnen zwischen Singhalesen und Tamilen. Und jetzt kein Sprit, keine Touristen (wir sind wie Sprit), Inflation. Teure Lebensmittel…

Die Regierung erklärt ab sofort jeden Mittwoch zum Feiertag, damit die Leut daheim bleiben. Tatsächlich sind dann mittwochs die Straßen leer. Nur Touristenfahrer bekommen Kraftstoff. Man ringt um Unseresgleichen wie ein Bauer, der hungert, aber die Kuh füttert.

TANKEN

Leere Tanker draussen

Vor der Küste liegen einige Tanker auf Reede, die warten auf Betanken in Arabien.

Leere Tanks drinnen

Und hinter uns an der Straße warten die Tuktuks aufs Betanken. Die Tanke hat zu, wird von der Polizei bewacht.  

Unser Haus am See

Wir ziehen uns zurück, bleiben in unserer kleinen Idylle, leider hat unser Zimmer ein Blechdach, dessen Strahlungswärme konkurriert mit der kühlen Luft der Klimaanlage, es ist zugleich warm und kalt.

Aber das passt gut hier her, in ein Land voller Schönheit und Dreck, Stille und Lärm, Freundlichkeit und heimlicher Anspannung.

Um Mitternacht rum nach hiesiger Ortszeit landet die Jugend sicher in München, wir sind froh, und ihnen ist’s kalt.

Wir finden unseren Weg, zu zweit ist das Reisen wieder ganz anders, aber auch gut…

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Eckhard
Eckhard
26 Tage vor

Einschränkungen (Sprit, Touristen, Einkommen …. ), die wir hier u. das Trampel nur indirekt mitbekommen …..
Genießt eure letzten Tage, ‚trotz alledem und alledem‘.!! 🙏