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Im Regenwald

Heute regnet es nicht im Regenwald. Der alte Jeep rattert uns eine halbe Stunde an Reisfeldern vorbei zum Eingang des Nationalparks.

Arabica Robusta

Die Luft ist feucht und riecht nach Zitrone und Jasmin. Der Duft stammt von Arabica-Kaffee Sträuchern.

Für unsere gebuchte „Half day tour“ bekommen wir Sandwiches und Blutegelsocken. Das sind stiefelförmige Strümpfe aus Nylon. Am Eingang des Nationalparks ziehen wir sie über die eigenen Socken und steigen damit in die Schuhe. Das fühlt sich kuschelig warm an und lässt die Mauken im eigenen Saft gar ziehen. Zudem werden die Schuhe mit Salz eingerieben, das mögen Blutegel nicht. Ob die Schuhe das mögen, bleibt abzuwarten.

Einsalzung
Asanka, unser Guide

Unser Guide trägt lederne Stadtschläppchen. „we know each other,“ sagt er auf die Frage, warum er die Spezialsocken nicht anzieht.


Wir sind nicht die einzige Gruppe. Man geht leise und langsam. Die Gruppen halten Abstand voneinander, die Guides telefonieren miteinander, weisen sich auf Tiersichtungen hin. Asanka geht immer wieder suchend ins Gehölz und zeigt uns dann Raupen, Tausendfüßler, Echsen, Spinnen und Affen.

Heute giftige Raupen, in wenigen Tagen riesige Schmetterlinge
Känguru – Echse
Da wohnt ein Skorpion, der nicht raus will
Tausendfüßler
Hat grad ihre Eier verbuddelt
Hornissennest, 1 Meter hoch

Mich beeindruckt am meisten die Vegetation. Alles ist so grün. Wild verschlungene Lianen, riesige Bäume, ein dicker weicher Laubteppich, vielerlei Farne an rieselnden Bächen.

Junges Farnblatt

Mitten im Regenwald steht monumental eine stattliche Würgefeige, ein Ficus, so dick, dass man ihn zu fünft so eben umspannen könnte.
Auf den ersten Blick wirkt sie nicht wie ein einzelner Baum. Eher wie ein Geflecht aus Säulen, Wurzeln und Stämmen, die sich umeinander winden. Erst wenn man näher tritt, erkennt man die Struktur. Dicke, graubraune Luftwurzeln fallen vom Blätterdach herab, haben im Lauf der Jahre den Boden erreicht, sind dicker geworden, miteinander verwachsen. Was einst wie ein Vorhang aus Wurzeln begann, ist heute ein lebendiges Bauwerk. Zerstörung und Entstehung liegen eng beieinander. Die Würgefeige tötet ihren Wirt – und schafft dabei neuen Lebensraum. Sie ist im Innern hohl. In ihren Höhlungen nisten Vögel, Moose und Farne siedeln sich an. Der Baum ist kein Einzelwesen, sondern ein kleines Ökosystem. Unser Guide sagt „Parasitenbaum“ dazu.

Würgefeige, 500 Jahre alt

Ich lausche dem vielstimmigen Vogelkonzert, durchbrochen von Rufen unsichtbarer Affen.
Heiß ist es, und sehr schwül. Mir ist ein wenig schwindelig. Ich streife meine Egelsocken herunter, um die Waden abzukühlen, dabei erblicke ich ein munter auf meinem Schuh herumturnendes Würmchen. Zwei Millimeter dick und drei Zentimeter lang bewegt es sich wie man es von Raupen kennt. Hinterfüße ranziehen, Mitte hochdrücken, Vorderfüße vorschnellen lassen.

Stöckchen?

Das ist ein Blutegel. Hatte ich mir dicker vorgestellt. Kriegt er die Chance, sich vollzusaugen, wird er nacktschneckenartig. Dieser hier kriegt die Chance nicht. Er wird mit einem Stock vom Schuh geschubst und muss sich ein anderes Opfer suchen. Meine Wadenwärmer ziehe ich lieber wieder hoch.

Eine erste willkommene Pause machen wir an einem großen Picknickplatz im Wald. Die Guides sitzen beisammen und plaudern, die Touris verfüttern ihre Snacks  an die vielen Hunde. Tilman und Jana wiegen Welpen in den Schlaf.

Wir fragen den Guide nach einem „more adventurous way“ und freuen uns über den verwundenen wurzeligen Pfad, über den er uns bergauf, bergab leitet. Viel besser als der ausgetretene Spazierweg!
Als wir an einem Wasserfall ankommen, sind die Beine bereits schwer geworden. Man könnte die Tour noch ausdehnen, aber es ist genug.
Dieser Platz ist ein Freibad im Regenwald. Man kraxelt auf heißen Felsen herum, schwimmt im tiefen Gumpen und springt von oben hinein.

Alle außer Jo und mir. Aber die sind auch alle nur halb so alt wie wir.
Ich döse in einer etwas kühleren Felsspalte, die nackten Füße im lauwarmen Wasser, den Kopf von Büschen beschattet. Jo liegt auf einem halbschattigen Felsen und macht ein Nickerchen.
Der Rückweg verläuft auf dem Hauptweg.
Zurück an der Unterkunft gibt’s Reis, Curry und ganz viel Obst.


Den Nachmittag verbringen wir auf der Terrasse und am Fluss.

Schön ist es hier im Hideaway. Wir könnten verlängern,  entscheiden uns aber doch dagegen. Was würden wir noch machen? Noch eine Regenwaldtour? Noch einen Tag am Fluss? Ach nee, der Strand lockt. Unser Kompromiss: wir checken am nächsten Tag erst am Nachmittag aus.

So haben wir den halben Tag noch am Fluss und dann den Abend am Strand.

Zwei Stunden dauert die Fahrt zum Tangalle beach. Hier wird nun der gemeinsame Teil der Reise ausklingen.

Jo lotst den Tuk-tuk Fahrer
fast Vollmond
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Eckhard
Eckhard
1 Monat vor

👍👍🙂🙏

Anonym
Anonym
1 Monat vor

Grün im Superlativ, bin beeindruckt.